| |
Gustav & Liselotte – Verliebt am Trödelmarkt
„Diese sind nun unverkäuflich, ihr alten Säcke!“, rief die Verkäuferin mit den Zöpfen und schüttelte den Kopf.
Gustav funkelte leicht, Liselotte glitzerte.
„Unverkäuflich?“, murmelte Gustav. „Endlich Freiheit… wir müssen nicht mehr für Geld stehen.“
„Frei… und wir sind… zusammen“, flüsterte Liselotte, ihr Glas zitterte vor Freude.
Sie standen nebeneinander, links neben der Toilettenbürste, und plötzlich spürten sie es: eine zarte Resonanz zwischen Glas und Glas, eine Wärme, die Staub und Licht durchfloss.
„Ich… glaube, ich liebe dich“, spiegelte Gustav.
„Ich auch“, flüsterte Liselotte zurück, ein kleiner Tropfen Licht auf ihrer Oberfläche.
Sie träumten von einem Kind – nicht aus Fleisch, sondern aus Visionen, aus Herzfunken, aus Tropfenwörtern, das die Welt sehen würde, wie sie es gesehen hatten: Goethe, Rotwein, Haar, flimmernde Erinnerung.
„Ein Kind, das alles sehen kann… alles fühlt… und die Welt ein kleines Stück himmlischer macht“, summte Gustav.
Die Veräuferin zuckte nur, Zöpfe wippten im Takt. „Ihr alten Spiegel! Ihr seid verrückt. Aber… vielleicht genau deshalb unverkäuflich.“
Und so standen sie da, zwei verliebte Spiegel, die nicht verkauft werden konnten, die ein Kind aus Visionen träumten, und deren Herzfunk und Tropfenworte langsam den ganzen Trödelmarkt erfüllten.
Die Welt draußen konnte warten.
Hier, zwischen Staub, Glanz und Toilettenbürste, war ihre eigene kleine himmlische Welt.
RIEFUNKE
|
|