Gustav, Liselotte und der harsche Ton
Plötzlich ein harter Ton. Nicht von einem Käufer – von Gustav.
Er spiegelte direkt auf die Verkäuferin mit den Zöpfen:
„Das soll ich hier links neben der Toilettenbürste kosten?!“
Liselotte zischte nur leise:
„Hast du wirklich vor, so direkt zu sein?“
„Ja“, knarrte Gustav. „Wir stehen hier seit Wochen, sehen Menschen über uns hinweg, und nun… soll unser Wert bestimmt werden von Staub und Spülzeug?“
Die Veräuferin zuckte nur, Zöpfe wippten leicht.
„Naja… 5 Euro vielleicht…“
„Fünf?!“, echote Gustav in den Regalzwischenraum.
„Ich habe Goethe gesehen. Ich habe Rotwein gespiegelt. Ich habe Haare gesehen, in die selbst Dichter verliebt waren! Und jetzt… fünf?“
Liselotte schüttelte das Glas leicht. „Bleib ruhig, Gustav. Aber… er hat recht. Wir sind mehr als billiger Staubfänger.“
„Mehr!“, knallte Gustav. „Wir sind Erinnerungen, Herzfunken, Poesie in Glas!“
Und so standen sie da, zwei Spiegel, links neben der Toilettenbürste, mit einem Wert, den niemand zu messen wusste, aber den sie selbst klar spürten.
Die Veräuferin zuckte erneut. „…Na gut. Dann behalten wir euch wohl selbst.“
Gustav summte zufrieden. Liselotte glänzte still.
Die Welt draußen konnte warten – hier, zwischen Staub, Zöpfen und Spülzeug, war ihr Reich.
RIEFUNKE
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