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Ich bleibe stehen. Das Glas auf dem Tisch bewegt sich kaum, doch plötzlich höre ich es.
„Schau nicht nur auf das Thermometer“, sagt es leise, fast zögernd.
Ich zucke zusammen. Gläser reden nicht.
„Ich weiß“, sagt das Glas. „Aber heute tue ich es.“
Draußen piept das Thermometer wie immer, doch ich merke: seine Zahlen sind mir egal geworden.
„Warum jetzt?“, frage ich, und das Glas scheint zu seufzen.
„Weil du vorbeigingst. Weil du es bemerkt hast. Weil jemand zuhören muss.“
Ich beuge mich vor. Kein Geräusch, nur die Kühle des Wassers.
„Was soll ich hören?“, flüstere ich.
„Nicht alles braucht Worte“, antwortet das Glas. „Manchmal reicht ein Blick, ein Verweilen, ein Atemzug.“
Ich nicke, obwohl niemand es sehen kann.
Die Sonne fällt durchs Fenster, schneidet Linien in die Tischplatte.
Und plötzlich ist es, als würde das Glas schweigen – aber nicht wirklich. Ich weiß, es wartet.
RIEFUNKE
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