Szene eskaliert: Der Kaffee des Chaos
Nico schaut Lara mit einem verschmitzten Grinsen an, als er die Luft der aufgebrachten Kunden spürt. „Weißt du“, sagt er, „bevor ich die Baldriantropfen bei dir kaufe, trinken wir zusammen einen Kaffee.“
Lara bleibt für einen Moment still, dann zuckt sie mit den Schultern, als ob sie sich mit dem Unerwarteten angefreundet hat. „Warum nicht? Ich kann auch nicht mehr länger im Alltagsrauschen bleiben. Aber wir müssen es schnell machen – der Kaffee ist die einzige Abhilfe gegen all die Schwingungen hier.“
Nico geht in die Mitte des Raumes, schiebt zwei Stühle auf die glänzende Fliesenfläche, die schon durch die hektischen Bewegungen der wartenden Kunden fast zu vibrieren scheint. Er setzt sich auf einen Stuhl und schaut auf die Menschenmengen, als ob er sie an einen unsichtbaren Tisch einlädt.
„Setz dich, Lara. Kein Stress. Die Welt da draußen dreht sich eh schon genug.“
Lara lacht, geht in den Nebenraum, die Kaffeekanne in der Hand, und beginnt zu singen – es ist ein leiser, fast hypnotischer Gesang, der sich mit dem Dampf der Kaffeemaschine mischt. Ihre Stimme trägt den Raum und scheint die Zeit zu dehnen.
„Wenn der Kaffee brüht und der Sturm sich legt, dann...“, murmelt sie fast zu sich selbst, aber Nico hört es. Die Kunden, die gerade noch in der Schlange standen, wirken wie gefesselt von diesem Moment, auch wenn keiner von ihnen wusste, warum.
Doch plötzlich – der Blitz schlägt ein. „Hören Sie auf!“, schreit ein Mann, „wir haben keine Zeit für Ihre Theorien, ihr braucht doch nur ein paar Tropfen! Was soll der Unsinn?!“
Die Frau hinter ihm wirft ihre Handtasche auf den Boden. „Kaffee?! In der Apotheke?! Sind wir hier bei den Geisteskranken? Ich will meine Medikamente, und das sofort!“
Doch anstatt zu eskalieren, verschiebt sich der Raum selbst. Die Geräusche der aufgebrachten Menschen scheinen sich zu weiten, als ob sie mit der Zeit in einer riesigen Echoschleife gefangen wären.
„Ganz ruhig“, sagt Nico, der die angespannte Energie mit einem schelmischen Blick erwidert, „der Kaffee wird uns alle retten. Wir sind hier nicht in einer normalen Apotheke. Wir sind in einer Gedankenfabrik. Und ihr seid eingeladen.“
Lara kommt zurück, die Tassen in der Hand, stellt sie vor Nico und sich ab, während sie gleichzeitig noch eine der Wartenden mit einem Blick auffängt. „Weißt du“, sagt sie, „der Kaffee hat die Kraft, zu entschleunigen. Und wer weiß? Vielleicht haben wir ja alle unsere eigenen Baldriantropfen im Kopf.“
Die Kunden starren sie jetzt an, der Raum scheint kurz innezuhalten, als alle gleichzeitig begreifen, dass sich gerade eine sehr andere Art von Realität abspielt. Der Geruch des frisch gebrühten Kaffees vermischt sich mit der geladenen Luft und bringt das Chaos für einen Moment zum Schweigen.
„Ihr habt echt ein Problem“, sagt eine junge Frau, aber irgendwie klingt es jetzt weniger wie ein Vorwurf und mehr wie eine Feststellung.
Lara nimmt einen Schluck aus ihrer Tasse, ihre Augen funkeln. „Und was genau ist hier das Problem? Der Kaffee? Oder die Tatsache, dass wir alle ein bisschen zu viel in den Tropfen des Alltags ertränkt wurden?“
Die Frage bleibt in der Luft hängen, während draußen der Regen gegen das Schaufenster prasselt, und die Zeit sich wie ein Tropfen im Raum dehnt.