Lina und Marek – Ein verschränkter Dialog
Ort 1: Ein Observatorium in der Atacama-Wüste, Chile.
Ort 2: Ein Labor in Wien.
Zwischen ihnen: 11.842 Kilometer.
Gemeinsamer Ursprung: Ein Spin-0-Zerfall in einem kontrollierten Experiment.
Vor der Messung existieren sie im Zustand:
∣Ψ⟩=21(∣↑↓⟩−∣↓↑⟩)
Kein ↑.
Kein ↓.
Nur Möglichkeit.
Lina befindet sich im Detektor in Chile.
Marek im Magnetfeld eines Labors in Wien.
Vor der Messung
Lina:
„Hast du einen festen Spin?“
Marek:
„Nein. Und du?“
Lina:
„Auch nicht. Wir sind Superposition.“
Marek:
„Also sind wir unentschieden?“
Lina:
„Nicht unentschieden. Nicht festgelegt.“
Diskussion über Identität
Marek:
„Wenn sie dich messen, was passiert mit mir?“
Lina:
„Du wirst festgelegt.“
Marek:
„Durch ein Signal?“
Lina:
„Nein. Es gibt kein Signal. Keine Geschwindigkeit. Keine Reise.
Wir sind ein Zustand. Keine zwei.“
Der kritische Moment
Ein Physiker in Chile richtet den Spin-Detektor aus.
Messung.
Lina wird gemessen als ↑.
In Wien, ohne dass jemand dort bereits gemessen hat, ist Mareks Zustand nun ↓.
Nicht übertragen.
Nicht gesendet.
Nicht kommuniziert.
Nur aktualisiert.
Marek spürt nichts.
Das ist wichtig.
Er „merkt“ nichts.
Es gibt keine Welle.
Kein Zucken.
Keine Botschaft.
Er ist einfach ↓.
Später, im Wiener Labor
Ein zweiter Physiker misst Marek.
↓.
Er notiert es.
Er vergleicht die Daten mit Chile.
Perfekte Antikorrelation.
Nach der Messung
Lina:
„Jetzt bin ich definiert.“
Marek:
„Ich auch.“
Lina:
„Und davor?“
Marek:
„Davor waren wir mehr als zwei.“
Wissenschaftliche Einordnung
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Keine überlichtschnelle Kommunikation
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Keine Verletzung der Relativität
-
Nur nicht-separierbare Zustandsbeschreibung
Die Korrelation war immer da.
Die Messung enthüllt sie nur.
Der leise Schluss
Lina:
„Vielleicht ist Nähe keine Frage der Entfernung.“
Marek:
„Sondern der gemeinsamen Gleichung.“
Der Himmel über der Atacama ist klar.
In Wien regnet es leicht.
Zwei Orte.
Ein Zustand.
Jetzt getrennt messbar.
Und doch mathematisch aus demselben Ursprung.
RIEFUNKE
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