Bell-Ungleichungen als Beziehungs-Test
Protagonisten:
Lina (Chile)
Marek (Wien)
Gemeinsamer Ursprung: verschränkter Spin-Zustand
1. Worum geht es bei Bell wirklich?
John Bell stellte 1964 eine Frage:
Können die Korrelationen verschränkter Teilchen durch lokale verborgene Variablen erklärt werden?
Also:
-
Haben Lina und Marek ihre Eigenschaften schon „mitbekommen“, als sie getrennt wurden?
-
Oder entstehen die Ergebnisse erst im Moment der Messung?
Bell formulierte eine Ungleichung, die jede Theorie erfüllen muss, die auf lokalen, realistischen Annahmen basiert.
Wenn Experimente diese Ungleichung verletzen →
dann kann die Welt nicht gleichzeitig lokal und realistisch im klassischen Sinn sein.
Und genau das passiert experimentell.
2. Die Struktur des Tests
Man misst:
-
Lina mit verschiedenen Filtereinstellungen (a, a′)
-
Marek mit verschiedenen Einstellungen (b, b′)
Man vergleicht Korrelationen.
Klassische Erwartung:
∣S∣≤2
Quantenmechanik erlaubt:
∣S∣≤22
Experimente ergeben Werte nahe 22.
Bell verletzt.
3. Jetzt die Beziehungsmetapher – sauber geführt
Stell dir vor:
Lina und Marek werden getrennt.
Man testet sie unabhängig mit verschiedenen „Fragen“ (Messrichtungen).
Wenn sie nur vorher abgesprochene Antworten hätten,
wären ihre Übereinstimmungen begrenzt.
Aber:
Ihre Antworten sind stärker korreliert,
als es jede vorherige Absprache erlauben würde.
4. Bell als Beziehungs-Test
Klassische Beziehung:
„Wir haben uns früher geliebt. Jetzt reagieren wir unabhängig.“
Quantenbeziehung:
„Unsere Antworten sind stärker miteinander verbunden, als es durch Vergangenheit allein erklärbar wäre.“
Das heißt nicht:
Sie senden sich heimlich Signale.
Sondern:
Ihre Identität war nie vollständig getrennt.
5. Der entscheidende Punkt
Bell zeigt nicht „Magie“.
Er zeigt:
Die Welt ist nicht beschreibbar durch lokale, vorab festgelegte Eigenschaften.
Übertragen:
Wenn eine Beziehung nur auf festen, vordefinierten Rollen basiert,
bleibt sie unter der Grenze von 2.
Wenn sie echte nicht-separierbare Struktur besitzt,
überschreitet sie 2.
6. Lina und Marek diskutieren
Lina:
„Wenn wir nur vorher programmierte Antworten hätten,
würden wir Bell nicht verletzen.“
Marek:
„Aber wir tun es.“
Lina:
„Dann sind wir nicht nur Erinnerung.“
Marek:
„Wir sind Struktur.“
7. Die philosophische Pointe
Bell zwingt uns zu einer Wahl:
In Beziehungsbegriffen:
8. Der nüchterne Abschluss
Bell ist kein Liebesbeweis.
Er ist ein Grenzwert.
Er sagt:
Wenn eure Korrelation stärker ist als klassische Erklärungen erlauben,
dann seid ihr mehr als zwei getrennte Systeme.
Nicht romantisch.
Nicht mystisch.
Nur mathematisch unklassisch.
RIEFUNKE
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