Die ältere Madame schiebt ihre Handtasche beiseite, die Augen funkelnd vor einer Mischung aus Neugier und verschmitztem Trotz. „Wenn Sie Mohnkuchen haben“, sagt sie, „dann setze ich mich zu Ihnen.“
Nico wirft ihr ein schelmisches Lächeln zu. „Mohnkuchen? Nun, wir haben Kaffee, aber Kuchen… der muss improvisiert werden. Wer improvisiert, lebt intensiver.“
Die Madame nickt, als wäre das die einzige plausible Antwort auf das Chaos, das gerade die Apotheke erfüllt. „Früher habe ich mich viel mit Wiedergeburten beschäftigt. Man glaubt gar nicht, wie oft man in verschiedenen Leben denselben Mohnkuchen gegessen hat.“
Lara bringt die Kaffeetassen zurück, ihre Stimme singt leise eine Melodie zwischen den Tassen. „Also, Madame… wir können den Kuchen symbolisch servieren. In Gedanken, in Aromen, in kleinen Momenten.“
Die Kunden, die vorhin noch tobten, schweigen nun. Sie wissen nicht genau, ob sie lachen, schreien oder die Realität hinterfragen sollen. Aber die Worte der älteren Frau brechen etwas auf – ein unerwarteter Schimmer von Ordnung im Chaos.
„Und wissen Sie“, fährt die Madame fort, „Einstein hat noch kein Bock auf den Verein der heutigen Wissenschaftler auf der Erde. Vielleicht weil er gerade irgendwo anders wiedergeboren wird.“
Nico nickt. „Sehen Sie? Selbst die größten Köpfe haben ihre rebellischen Momente.“
Die Madame nimmt Platz, der imaginäre Mohnkuchen vor sich, die Hände um eine dampfende Tasse gelegt. „Dann trinken wir eben Kaffee, reden über Baldriantropfen, Wiedergeburten und die faulen Wissenschaftler der Gegenwart. Und schauen, was die Welt noch so verschluckt.“
Der Raum atmet kurz auf, als hätte er sich auf ein stilles Einverständnis geeinigt: Chaos darf sein, Gespräche dürfen schweifen, und die Realität darf für einen Moment innehalten.
Die Kunden rücken widerwillig ein wenig zusammen, der Regen trommelt weiter gegen das Schaufenster, und irgendwo zwischen Herzschimmer, Tropfenlicht und imaginärem Mohnkuchen beginnt ein neuer kleiner Kosmos der Ordnung zu entstehen.