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Nach dem Rotwein: Die Zuchtphase
Drei Tage wurde im Hauptgulli gefeiert.
Zwei Tage brauchten sie zur Regeneration.
Der Rotwein war ambitioniert gewesen.
Die Königsratte erschien schließlich mit Sonnenbrille aus zerschnittenem Joghurtdeckel und sprach heiser:
„Genug der Euphorie. Jetzt kommt die Skalierung.“
In alten Holzkisten – ehemals Orangenkisten, jetzt „Biotechnologie-Module“ genannt – begann die Zucht.
Mehl.
Hautschuppen (ordnungsgemäß aus dem städtischen Staubsauger-Container gewonnen).
Wärme.
Geduld.
Die ersten Anzuchtflöhe stammten aus einem aufgegebenen Theaterfundus – sie hatten einst in Plüschkostümen gelebt und waren kulturell gebildet, aber arbeitslos.
„Wir sind bereit für die Rotation“, sagten sie nervös.
Ein junger Floh fragte:
„Und was genau ist ein Karussell?“
Die Königsratte lächelte visionär:
„Ein Kreis. Mit Perspektive.“
Erste Zweifel
Eine Buchhalter-Ratte hob die Pfote:
„Majestät, die Betriebskosten für Mehl und Schuppen steigen. Außerdem sind die Flöhe… nun ja… sehr klein.“
„Gerade deshalb“, antwortete die Königsratte.
„Je kleiner die Einheit, desto größer die Marge.“
Ein anderer Nager flüsterte:
„Was, wenn sie aufhören zu springen?“
Die Königsratte sah ihn lange an.
„Dann nennen wir es Performance-Kunst.“
Der Probelauf
Die erste Holzkiste wurde geöffnet.
Ein Mini-Karussell aus Zahnrädern und Kronkorken drehte sich.
Ein Floh sprang.
Dann noch einer.
Es sah aus wie… fast nichts.
Aber unter der Gulli-Laterne wirkte es monumental.
Die Ratten klatschten.
Die Königsratte hob ihr Glas (diesmal Wasser).
„Wir stehen am Anfang einer Revolution im Mikromaßstab.“
Im Hintergrund hustete eine ältere Ratte:
„Oder an der Grenze zur Größenverwechslung.“
RIEFUNKE
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