Das etwas peinliche Fest des Rattenorchesters
Nach all den Missionen, Sternenkörnern und geöffneten Türen beschloss die Königsratte eines Abends etwas sehr Strenges.
Sie stand auf ihrem Dirigentenpult in der Großen Konzertkammer und verkündete:
„Kinder der Welt dürfen heute kein Fest feiern. Zu viele Türen sind noch zu öffnen, zu viele Aufgaben warten.“
Die Trommelratten nickten ernst.
Die Bläserratten hielten ihre Strohhalme still.
Die Nachricht wurde über die Rattenpost verbreitet.
Doch kaum war die Versammlung beendet, geschah etwas … nun ja … weniger Strenges.
Die nächtliche Expedition zum Pfarrhaus
Eine kleine Gruppe besonders hungriger Orchesterratten schlich sich aus der Stadt der Tunnel hinaus.
Ihr Ziel:
der Garten des Pastors der nahegelegenen Kirche.
Dort entdeckten sie im Keller ein kleines Wunder.
Vierzehn Flaschen Rotwein.
Die Ratten sahen sich kurz an.
Dann zuckten sie mit den Schnurrhaaren.
„Nur heute“, piepste eine Trommelratte.
Kurz darauf wurde der Garten des Pastors zu einem der ungewöhnlichsten Feste der Rattengeschichte.
Auf dem Tisch standen:
Die Trommelratten spielten Tanzrhythmen.
Die Geigenratten improvisierten fröhliche Melodien.
Selbst die Katzen aus dem Großen Tierrat sahen aus sicherer Entfernung zu und schüttelten amüsiert die Köpfe.
Die Rede der Königin
Mitten im Fest kletterte die Ehefrau des Rattenkönigs auf eine kleine Holzkiste, die sie kurzerhand zur Kanzel erklärte.
Sie räusperte sich feierlich.
„Liebe Ratten, Tiere und… äh… unsichtbare Zuhörer! Ich möchte eine wichtige Rede zur Lage der deutschen Nation halten!“
Die Musiker wurden still.
Einige Presseratten holten bereits ihre winzigen Kameras hervor.
Die Königin hob dramatisch eine Pfote.
„Die Zukunft Europas hängt—“
Doch genau in diesem Moment rutschte sie auf einer einzelnen Pommes aus.
Die Kanzel wackelte.
Die Königin verlor das Gleichgewicht.
Und fiel direkt …
auf ihre Nase.
Einen Moment lang war es vollkommen still.
Dann begann irgendwo eine junge Reporterratte zu kichern.
Kurz darauf lachte das ganze Orchester.
Sogar die Königsratte musste sich die Tränen aus den Augen wischen.
Das große Tiktok-Novum
Natürlich blieb der Vorfall nicht geheim.
Eine besonders flinke Presseratte hatte alles gefilmt.
Noch in derselben Nacht verbreitete sich das Video über unzählige Bildschirme der Menschenwelt.
Die Überschrift lautete:
„Rattenkönigin stolpert bei politischer Rede – Internet lacht.“
Innerhalb weniger Stunden wurde es ein unglaubliches Phänomen.
Millionen Menschen sahen den kleinen Sturz.
Kinder lachten.
Erwachsene lachten.
Selbst einige sehr ernste Wissenschaftler mussten schmunzeln.
Man nannte es bald das erste echte
Tiktok-Novum des Rattenorchesters.
Ein königlicher Schluss
Später in der Nacht saß die Königsratte ruhig im Gras des Pfarrgartens.
Die Musik war leiser geworden.
Die Königin hielt sich noch immer etwas verlegen die Nase.
Der König legte ihr tröstend eine Pfote auf die Schulter.
„Weißt du“, sagte er freundlich,
„auch große Reden dürfen manchmal einfach auf einer Pommes ausrutschen.“
Die Königin musste lachen.
Über ihnen funkelte die Sternenratsche am Himmel.
Und das Rattenorchester spielte noch ein letztes, fröhliches Lied.
Denn selbst Helden, die Mauern öffnen und Sterne erschaffen, brauchen manchmal einfach ein gutes Fest.
Mit Pommes.
Mit Fischbrötchen.
Und vielleicht ein bisschen zu viel Rotwein.
RIEFUNKE
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