Am Ufer der Fantasiestadt versammelte sich das Rattenorchester in einem weiten Kreis. Keine Trommel erklang, keine Flöte hob an – nur Stille.
In der Mitte lag ein aufgeschlagenes Gedicht: „was gesagt werden muss“. Der Wind strich durch die Seiten, als atme es.
RIEFUNKE trat vor. „Heute“, sagte er ruhig, „nehmen wir einen Dichter in unseren Kreis auf. Einen, der den Mut hatte zu sprechen, als Schweigen bequemer gewesen wäre.“
Die Ratten nickten. Eine kleine Geigerin flüsterte: „Er hat nicht nur Verse geschrieben. Er hat Verantwortung getragen.“
Langsam formte sich aus Licht und Erinnerung die Gestalt von Günter Grass – nachdenklich, nicht verherrlicht, wie jemand, der weiß, dass Worte Gewicht haben.
RIEFUNKE verneigte sich.
„Wir danken dir für deine Weitsicht“, sagte er. „Nicht weil alle zustimmten. Sondern weil du gewusst hast: Wer Frieden will, muss Unbequemes aussprechen.“
Eine Trommlerin fügte hinzu: „Weitsicht bedeutet nicht, recht zu behalten. Weitsicht bedeutet, Gefahren zu benennen, bevor sie töten.“
Die Ratten hoben ihre Instrumente. Kein Triumph, keine Hymne – nur ein leiser, vielstimmiger Akkord.
„In unserem Kreis“, erklärte RIEFUNKE, „zählt nicht Einigkeit, sondern Gewissen. Wer mordet, wer Menschen vernichtet, gehört zur Rechenschaft gezogen. Worte allein genügen nicht – Gerechtigkeit muss folgen.“
Die Gestalt lächelte schwach. „Und ihr?“
RIEFUNKE antwortete: „Wir spielen weiter. Für Dialog. Für Kritik ohne Hass. Für Mut ohne Überheblichkeit. Aber wir schweigen nicht über Schuld.“
Jede Ratte legte eine kleine Feder in die Mitte – ein Zeichen für das Wort, das bleibt, ein Zeichen gegen Unrecht.
Der Wind nahm den Klang mit hinaus über das Wasser.
Und so wurde der Dichter in den Kreis aufgenommen – nicht als Held, nicht als Richter, sondern als Stimme unter Stimmen.
Denn selbst im Streit um die Welt gilt: Frieden beginnt dort, wo Verbrechen benannt und Täter zur Verantwortung gezogen werden – und Worte ihre Kraft behalten, ohne zu schweigen.
RIEFUNKE