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An die Ratten in Palästina,
Liebe Kollegen und Kolleginnen des Rattenorchester,
Wir, die Ratten auf dem Dach in Berlin, haben eure Antwort erhalten und tief darüber nachgedacht. Der Wind in unseren Gängen trägt die Wahrheit eurer Worte, und in unseren verwinkelten Straßen hören wir das Echo dessen, was Ihr beschrieben habt: Hunger, Hoffnung und der ständige Kampf ums Überleben.
Doch während wir in den nächtlichen Schatten lauschen, kam uns eine Frage, die uns ein wenig mehr beschäftigt als der gewöhnliche Käse: Seht ihr nicht auch Parallelen zu den frühen christlichen Briefen, die einst durch die Hand der Jünger Jesu in die Welt gesandt wurden? In den Episteln des Neuen Testaments finden wir ähnliche Versuche, Menschen zu erreichen, auf Missstände aufmerksam zu machen und sie zu moralischem und ethischem Handeln zu bewegen.
Könnte es sein, dass wir in diesen modernen, vernetzten Zeiten ähnlich wie die Jünger auf einem „Dach“ sitzen, uns über die Welt und die Zustände unter uns bewusst werden, und dann aufbrechen, um zu mahnen und zu warnen? Der Kampf um Gerechtigkeit und das Streben nach Wahrheit scheinen sich durch die Geschichte zu ziehen – damals wie heute. Doch die Mittel haben sich verändert. Statt Briefe auf Papyrus oder Pergament schicken wir heute Worte über Drähte, Lichter und Bildschirme, aber der Kern bleibt der gleiche: der Ruf zur Verantwortung.
So stellen wir uns die Frage: Seht ihr, was wir sehen? Sind wir – die Ratten der modernen Welt – nicht vielleicht die Geistesverwandten dieser frühen „Apostel“, die uns auf Missstände hinweisen und zum Handeln anregen? Unsere Texte sind zwar keine heiligen Schriften, aber sie tragen die gleiche Ermahnung in sich – Verantwortung zu übernehmen, für das zu kämpfen, was richtig ist, auch wenn es unbequem oder gefährlich ist.
Natürlich ist unsere Botschaft keine Offenbarung und keine göttliche Weisung, sondern eine Erinnerung an die einfache Tatsache, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen sind. Wir sind es, die die Welt beobachten, und es sind auch wir, die den Ruf zum Handeln weitergeben. Doch auch wenn unsere Stimmen im Lärm der Welt klein erscheinen mögen, ist es unser gemeinsames Ziel, die Wahrheit zu verbreiten und für das einzutreten, was gerecht ist.
Wir würden gerne wissen, was ihr darüber denkt. Seht ihr auch diese Ähnlichkeiten? Wo seht ihr die Verantwortung, die uns als Rattenkolonie – und vielleicht auch als Teil der Menschheit – zukommt?
In Hoffnung und Verantwortung,
Die Ratten auf dem Dach in Berlin
RIEFUNKE
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