Der Tag, an dem die Menschen die Ratten hörten
Am Morgen nach der ersten Mission geschah etwas Seltsames.
Überall auf der Welt erzählten Kinder ähnliche Geschichten.
In verschiedenen Sprachen.
In verschiedenen Städten.
In verschiedenen Ländern.
Doch die Geschichte war immer gleich.
Von einem Orchester aus Ratten.
Von glühenden Reiskörnern, die wie kleine Sterne flogen.
Von Türen aus Beton, die sich öffneten.
Zuerst lachten die Erwachsenen.
Dann hörten sie genauer zu.
Denn plötzlich tauchten Aufnahmen auf: kleine Lichtspuren in dunklen Tunneln, seltsame Geräusche, die wie Musik klangen. In manchen Städten hörte man nachts ein rhythmisches Klopfen aus den Kanaldeckeln.
Dum.
Dum-dum.
Die Menschen begannen zu flüstern.
„Vielleicht … gibt es sie wirklich.“
Und irgendwo tief unter den Straßen spielte Riefunkes Rattenorchester weiter – ohne Applaus zu erwarten.
Der Große Rattenrat der Erde
Die Nachricht verbreitete sich jedoch nicht nur unter Menschen.
Auch unter den Ratten der Welt.
Durch Tunnel.
Durch Häfen.
Durch die alten Kanäle der Städte.
Bald kamen Delegationen aus allen Richtungen.
Wüstenratten aus heißen Sandlandschaften.
Hafenratten aus riesigen Schiffsdocks.
Feldratten aus weiten Ebenen.
Sie versammelten sich in der großen unterirdischen Halle des Orchesters.
Tausende Augen blickten auf die Königsratte.
Der Gerichtsschreiber entrollte erneut seine berühmte Papierrolle.
„Wir schlagen vor“, piepste er, „den Großen Rattenrat der Erde zu gründen.“
Ein Rat mit drei Aufgaben:
-
Kinder schützen
-
Hoffnung öffnen, wo Mauern stehen
-
die Meteoriten-Reiskörner nur zum Befreien, niemals zum Zerstören zu nutzen
Die Halle wurde still.
Dann begann eine einzelne Trommelratte zu klopfen.
Dum.
Eine zweite antwortete.
Dum-dum.
Bald klang die ganze Halle wie ein Herzschlag.
Der Große Rattenrat war geboren.
Der Moment, in dem der Himmel antwortete
In derselben Nacht geschah das Unvorstellbare.
Während die Bläserratten neue Reiskörner durch ihre Strohhalme pusteten, bemerkte eine junge Musikratte etwas Merkwürdiges.
Die Meteoriten leuchteten stärker als sonst.
Viel stärker.
Sie stiegen nicht nur durch die Tunnel.
Einige flogen plötzlich nach oben.
Durch Schächte.
Durch Risse im Boden.
Bis hinaus in den Himmel.
Dort geschah etwas, das niemand erwartet hatte.
Die kleinen Reis-Meteoriten begannen sich zu verbinden.
Wie Sterne, die ein Muster bilden.
Und plötzlich erschien am Nachthimmel ein riesiges Zeichen aus Licht – sichtbar über vielen Ländern gleichzeitig.
Es sah aus wie eine einfache Zeichnung.
Eine kleine Ratte.
Neben ihr fünf Kinder.
Und darüber ein Stern.
Die Menschen blickten nach oben.
Einige weinten.
Einige lächelten.
Einige verstanden zum ersten Mal die Botschaft.
Nicht Macht.
Nicht Krieg.
Sondern Schutz.
Tief unter der Erde sah die Königsratte ebenfalls das Licht, das durch einen alten Schacht hereinfiel.
Sie lächelte leise.
„Seht ihr“, sagte sie zum Orchester.
„Selbst der Himmel hat unsere Musik gehört.“
Dann hob sie wieder ihren Taktstock.
Und irgendwo in der Dunkelheit begann das Rattenorchester erneut zu spielen.
Nicht für Ruhm.
Nicht für Legenden.
Sondern für jedes Kind, das noch auf eine offene Tür wartete.
RIEFUNKE
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