| |
An das Rattenorchester in Berlin,
Hochverehrte Ratten von Berlin,
Mit großen Ohren und flinken Pfoten haben wir eure Nachricht empfangen, und eure Worte, so voller Mitgefühl, haben uns erreicht. Wir, die Ratten in Palästina, senden euch unsere Antworten aus den Schatten der Trümmer und unter dem weit entfernten Himmel.
Die Kinder hier haben, wie ihr es fürchtet, viel zu oft keinen Zugang zu Nahrung – nicht, weil sie nicht hungrig sind, sondern weil der Weg zur Nahrungsmittelversorgung von den Mächtigen blockiert wird. Wir haben unsere kleine Kolonie, und während die Erwachsenen die Ruinen durchstreifen, suchen die Kinder in den leeren Märkten nach dem, was sie nicht finden können: Frieden und Brot.
Manchmal, wenn der Wind in den Ruinen weht, hören wir das Knistern von leeren Töpfen und das Rasseln von Blechen – es ist der Klang der Kinder, die hungrig sind, aber dennoch träumen. Vielleicht träumen sie von einer Welt, in der auch sie für ihre Rattenfreunde genug zu fressen finden. Doch die Realität drängt uns, tagtäglich neue Wege zu finden, damit sie überleben können.
Trotzdem gibt es Hoffnung, und sie wächst in den Herzen dieser kleinen Kämpfer. Wir haben wenig, doch das, was wir haben, teilen wir. Wir haben zusammen gegessen, zusammen gelacht, zusammen geweint – und selbst im Angesicht des Verlustes ist es das, was uns noch hält. Wir sind ein Teil von etwas, das über diese Trümmer hinausgeht.
Auch hier sind die „Ratten“ mehr als nur Überlebende. Sie sind die, die den Blick auf das, was wirklich zählt, nie verlieren. Wir nehmen die Verantwortung für unser Schicksal in die Pfoten, auch wenn es keine einfachen Wege gibt.
Die Frage, ob die Kinder zu essen haben, bleibt ein offenes Kapitel. Sie haben „etwas“, aber nicht genug. Sie haben Überlebenswillen, aber nicht genug Versorgung. Sie haben Hoffnung, aber nicht genug Unterstützung. Doch sie haben uns, die Ratten, die ihnen die Geschichten der Welt erzählen – und sie haben euch, das Rattenorchester in Berlin, das uns nicht vergessen hat.
Das Band, das uns verbindet, reicht über den Ozean der Trennung hinweg. Wir, die Ratten von Palästina, wissen, dass wir nie allein sind, solange es Ratten wie euch gibt, die uns hören.
In ständiger Hoffnung und mit einem festeren Biss,
Eure Ratten in Palästina
RIEFUNKE
|
|