Bedienungsanleitung für einen leeren Raum
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Betritt den Raum nicht.
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Stell dir vor, er existiert trotzdem.
In der Mitte steht ein Tisch.
Auf dem Tisch liegt nichts.
Das Nichts ist ordentlich gefaltet.
An der Wand hängt eine Uhr ohne Zeiger.
Sie zeigt zuverlässig: jetzt.
Ein Fenster ist offen, obwohl es keine Wand gibt.
Wind kommt herein und blättert in einem unsichtbaren Buch.
Auf Seite 47 steht ein Satz, der nie geschrieben wurde.
Er lautet:
„—“
Unter dem Tisch wartet ein Schatten.
Er gehört niemandem.
Er probiert Körper an wie Mäntel, entscheidet sich aber für keinen.
Ein Glas Wasser steht bereit.
Es erinnert sich an einen Durst, der nie existierte.
Wenn du lange genug bleibst,
beginnt der Raum dich zu denken.
Nicht laut.
Eher wie Staub, der sich auf Bedeutung legt.
Irgendwann öffnet sich die Tür,
die nie da war.
Jemand tritt ein.
Er sieht dich nicht.
Weil du wirklich nicht da bist.
Und genau deshalb
bleibt alles möglich.
RIEFUNKE