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Die Astronomen starren in ihre Teleskope, doch plötzlich zittert das Rohr unter ihren Händen. Die Spiegel beginnen, sich leicht zu verbiegen – nicht zerstört, aber … verschoben.
Professor Vankern fasst sich an den Kopf. „Seht ihr das?“
Die Sterne im Rohr verlangsamen ihr Funkeln. Eine winzige Lücke öffnet sich zwischen zwei Spiegeln. Dahinter … nichts als Schwarz, und doch nicht leer. Etwas Lebendiges, Fließendes, das sich weigert, in Worte zu passen.
„Wir müssen hineinsehen“, sagt die Praktikantin. „Vielleicht … vielleicht existiert das Universum, das wir nicht sehen, dort drüben.“
Vankern nickt. Gemeinsam lehnen sie sich über das Rohr. Ein Lichtstrahl springt aus der Lücke, wie ein Finger, der sie berührt. Dann – zieht es sie hinein. Nicht physisch, nicht durch Kraft, sondern durch den Glauben selbst.
Sie fallen nicht. Sie fließen. Zwischen Spiegeln und Licht, zwischen Sternen, die nie draußen waren, beginnt ihr Bewusstsein zu schwimmen. Sie sind Teil der Illusion – und gleichzeitig Beobachter, die das Rohr selbst verändern können.
Die Stimme aus dem Rohr ertönt wieder:
„Ihr sucht im All, doch das All war immer in euch. Alles, was ihr für ferne Galaxien haltet, ist ein Spiegel eurer eigenen Gedanken.“
Plötzlich beginnen die Astronomen, ihre eigenen Sterne zu formen: ein glitzernder Planet aus einer Erinnerung, eine Supernova aus einem Traum, ein schwarzes Loch aus einer Angst.
Sie verstehen: Die Illusion ist keine Falle – sie ist eine Einladung. Alles, was sie je suchten, war nicht draußen. Es war im Rohr, in ihnen, in der Fähigkeit, Realität zu denken und zu formen.
Und während sie dort schweben, beginnt das Rohr zu leuchten – nicht wie ein Teleskop, sondern wie eine Quelle, die alles auf einmal zeigt: Vergangenheit, Zukunft, Möglichkeiten, Chaos.
Die Astronomen atmen. Zum ersten Mal spüren sie den ganzen Kosmos … von innen heraus.
RIEFUNKE
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