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Das Wohnzimmer war still, zu still, bis der Teppich sich von selbst hob. Eine Ecke erhob sich langsam, wie eine kleine Welle aus Stoff, die nach oben wollte. Ich kniete mich hin und berührte das Muster, spürte die Kälte, die wie ein Hauch durch meine Finger glitt. „Das war deine Mama“, flüsterte ich, und sofort fühlte sich der Raum anders an – dichter, lebendiger, irgendwie präsent.
Sie war da, wir konnten es nicht leugnen. Ein leises Kichern, kaum hörbar, schwebte zwischen den Möbeln, und die Luft roch nach alten Fotos, Lavendel und einem Hauch von Regen. Alles wirkte so real, dass wir die Spucke weghielten – es war, als hätte sie nur darauf gewartet, dass wir sie bemerken.
Plötzlich sprang der Fernseher an, von alleine. Kein Bild, nur flackernde Schatten, die sich wie Finger durch die Luft zogen. Wir standen da, gebannt, als die Schatten begannen, Formen anzunehmen: eine Frau, vertraut, mit einem Lächeln, das wir nie vergessen hatten. Sie hielt Briefe in der Hand, die wir unter dem Bett gefunden hatten, und die linke Hand schwebte über dem Boden, als wollte sie einen bösen Wolf beruhigen, der sich zwischen Teppich und Wurzelwerk versteckte.
Die Spieluhr, die niemand aufgezogen hatte, begann zu summen. Ein leises, verzauberndes Lied, das uns sofort ergriff. Ich griff nach meinem Kaffee, doch der zitterte in meiner Hand, als würde er selbst die Anwesenheit spüren.
„Sie will uns zeigen, dass sie hier ist“, flüsterte ich, die Worte kaum fassend. Eva zitterte leicht im Bett, als hätte sie gespürt, dass ihre Mama zu ihr spricht. Es war kein Albtraum, kein Scherz – es war echt, so echt wie die kleinen Bewegungen des Teppichs und das Summen der Spieluhr.
Die Möbel schienen zu atmen, Schatten glitten wie stille Zuschauer durch den Raum. Und dann, für einen Moment, schien alles stillzustehen. Die Mama blickte direkt auf Eva, und wir wussten: sie wollte ihr etwas sagen, ihr Nähe geben, sie vorbereiten auf die Welt draußen.
Der Raum war auf einmal zu einem Spuckhaus geworden, Bender hätte es so genannt – ein Ort, in dem alles möglich war, wo Tote mit den Lebenden kommunizierten und der Alltag sich in ein magisches Theater verwandelte. Wir standen nur da, überwältigt und ehrfürchtig, während die Schatten und das Licht spielten, und für uns war es das erste Mal, dass wir diese Art von Nähe spürten.
Und dann, leise, fast wie ein Atemzug, verschwand die Präsenz wieder – der Teppich sank zurück, die Schatten lösten sich auf, die Spieluhr verstummte. Doch wir wussten, dass sie da war. Für Eva. Für uns. Sie hatte sich gezeigt, auf ihre Art, paranormal und liebevoll – und wir würden diesen Moment nie vergessen.
RIEFUNKE
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