Pastor Wolfgang und die Ministranten im Geheimen Genuss
Es war ein düsterer Nachmittag in Mönchengladbach, als Pastor Wolfgang von Erfurt mit einer ganz besonderen Mission das Restaurant „Gedanken-Küche“ betrat. Trotz des minimalistischen Ambientes und der klaren Philosophie des Hauses – Leitungswasser, Gedanken und mehr nicht – war der ehrgeizige Geist des Pastors keineswegs gewillt, sich an diese Regeln zu halten. Der Pastor hatte etwas anderes im Sinn: Ein heimlicher Genuss von rotem Wein, der unter seinem priesterlichen Gewand sorgfältig versteckt war.
„Ich bestelle einen Tisch für mich und meine zwei Ministranten“, sagte er mit einem geheimen Lächeln auf den Lippen, als er am Empfang ankam. Ministrant Maximilian und Ministrant Benedikt standen hinter ihm, beide ebenso in ihren kirchlichen Roben, jedoch war es nicht der Heilige Geist, der sie an diesem Abend begleitete, sondern etwas deutlich irdischer: die Flasche Rotwein.
„Wir sind gekommen, um wahrhaftige Gedanken zu kosten“, erklärte Pastor Wolfgang verschwörerisch, als er sich mit seinen Ministranten an einen Tisch setzte. Der Kellner, ein junger Mann mit einem gewissen Überdruss in den Augen, reichte ihnen die üblichen leeren Teller. Doch Wolfgang wusste, was er wollte.
„Leitungswasser?“ fragte der Kellner nach dem Standard, doch Pastor Wolfgang lächelte breit und sagte: „Nein, mein guter Freund. Kein Wasser, sondern das, was den Geist befreit.“
In einem kunstvollen Akt zog der Pastor unauffällig drei Flaschen Rotwein unter seinem Gewand hervor, die sorgfältig in einer Tasche versteckt waren. „Dreifaltigkeit des Weins“, sagte er feierlich und setzte die Flaschen auf den Tisch. Seine Ministranten sahen sich erwartungsvoll an.
„Wir sind hier, um uns zu erheben“, fügte Ministrant Maximilian hinzu, der sich kaum zurückhalten konnte, als er die Flasche öffnete. „Auf die Erleuchtung“, rief er und goss den ersten tiefen Schluck in seine goldene Kelchbecher, der an den feierlichen Abendmahl-Geschirr erinnerte.
„Richtig so“, stimmte Pastor Wolfgang zu, während er sich mit einem selbstgefälligen Grinsen in den Stuhl fallen ließ. „Wer will schon nur mit Gedanken anstoßen, wenn er echten Genuss haben kann?“ Er prostete seiner kleinen Gruppe zu.
Die Gespräche am Tisch wurden von ernsthafteren Themen unterbrochen – während die Ministranten über die „göttliche Bedeutung“ des Weins philosophierten, fing der Pastor an, tief in seine eigenen Gedanken zu versinken, die den Wahren Sinn des Lebens berührten. Doch immer wieder fiel sein Blick auf die Flasche, als er sie geschickt versteckte, falls ein weiterer Kellner vorbeikam.
„Götter, das ist ein genussvoller Abend! Was ist die Weisheit in einem guten Schluck?“ fragte Pastor Wolfgang.
„Die Wahrheit!“, rief Ministrant Benedikt aus. „Es gibt wahre Erleuchtung im Nichts – und in einem volleren Glas!“
Die Kellner, immer wieder skeptische Blicke werfend, versuchten, die Situation zu ignorieren. Doch je mehr der Wein floss, desto klarer wurde es: Diese Mahlzeit war nichts anderes als ein genussvoller Akt des Widerstands gegen die sterile Reinheit des Restaurants.
Die Zeit verging, und der Tisch war mittlerweile mehr von Rotwein als von Gedanken erfüllt, aber dennoch – und vielleicht gerade deshalb – war der Abend ein voller Erfolg. Pastor Wolfgang und seine Ministranten hatten ihre eigene Philosophie gefunden. Ein Restaurant für Gedanken wurde von Wein und Geist erobert. Und bei jeder weiteren Flasche Rotwein wuchs ihre Freude an der eigenen Rebellion.
„Was für eine herrliche Sünde“, murmelte Pastor Wolfgang. „Vielleicht kann man auch an der Tafel des Lebens mehr genießen, als nur das, was einem vorgesetzt wird.“
Ende.
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