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Der Garten der taumelnden Uhren
Ein windgekrümmter Baum steht mitten in der Wüste. Seine Äste tragen Uhren, die nicht die Zeit messen, sondern Gefühle.
- Jede Uhr tickt anders:
- Die linke zeigt Neugier, springt in Sekundenblitzen vor und zurück.
- Die rechte murmelt Langeweile, quietscht jedes Mal, wenn sie sich bewegt.
- Die mittlere summt Schabernack, jede Sekunde ein kleiner Witz, den nur Wüstenfüchse verstehen.
Ein Vogel mit Regenbogenfedern landet auf dem Baum. Er spricht:
„Heute ist der Tag, an dem wir die Wüste in Farbe denken.“
Plötzlich beginnen die Sandkörner zu tanzen. Sie formen Spiralen, die wie Miniatur-Galaxien über den Boden wirbeln.
Aus den Spiralen tauchen kleine Türen auf. Jede Tür führt in ein anderes Universum:
- Tür 1: Alles spricht in Haikus, selbst die Kaktusse.
- Tür 2: Menschen schweben wie Seifenblasen, lachen in Synkopen.
- Tür 3: Zeit ist flüssig, Uhren fallen wie Wasserfälle, Fische schwimmen rückwärts.
Die Sonne – ein gigantischer Zitronenbonbon – rollt am Horizont entlang und wirft Glitzerregen auf die Wüste.
Und mittendrin, auf einem Sandhügel, sitzt ein Ei, das sich nicht schlüpfen will. Es sagt:
„Ich bin nicht geboren, um zu schlüpfen. Ich bin geboren, um alles zu beginnen.“
Die Vögel nicken, die Uhren lachen, und die Wüste denkt: „Vielleicht ist heute wirklich der Tag, an dem alles möglich wird.“
RIEUNKE
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