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Die Tinte träumte von einem Tintenfisch.
Die Tinte hatte einen seltsamen Traum. Sie sah einen Tintenfisch, dessen Tentakel sich sanft um die Buchstaben windeten, als wollte er sie zu einer Geschichte formen. Der Tintenfisch war kein gewöhnlicher – er trug einen Zylinder, als Symbol seiner eigenen, unerklärlichen Weisheit. Er war ein Traumfänger der Sprache, ein Wesen, das zwischen den Tintenfluten der Welt wandelte und in den Tiefen des Ozeans nach Bedeutung tauchte.
Und dann tauchte Cicero auf. Nein, nicht der Cicero der Geschichte, sondern ein anderer, der von Krieg und Eroberung nichts mehr wissen wollte. Dieser Cicero hatte das schwere Erbe der politischen Reden abgelegt, die ihn einst berühmt gemacht hatten. Nun saß er, nachdenklich, in einem Kloster, den Zylinder fest auf dem Kopf, als wolle er das Gewicht der Welt in einem einzigen Atemzug von seinen Schultern werfen.
„Genug von den Kriegen“, sagte Cicero zu sich selbst, „es gibt einen anderen Weg, mit der Welt umzugehen.“
Und so stieg er in die Tiefen der Tinte hinab – begleitet von einem Tintenfisch, dessen Farben die Blätter des Papiers in einem braunschwarzen Regen bedeckten, der nur durch den Klang von Tropfen und Stille zerschellte. Die Tinte, die von Zylindern und Kriegen träumte, fand in der Stille des Klosters ihre Antwort. Sie war nicht mehr nur Farbe auf Papier, sie war die Essenz des Gedankens, die sich zu einer Form des Friedens winden konnte.
„Vielleicht“, dachte Cicero, „sind Worte nicht das, was man sagt, sondern das, was man lässt.“
Der Tintenfisch, der in seiner Unendlichkeit das Universum von Buchstaben kannte, nickte weise und verschwand. Die Tinte, nun von seiner Weisheit durchdrungen, wusste, dass sie nie wieder die gleiche sein würde.
Riefunke
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