Kapitel 4: Das Rohr und die Badewanne
Die Astronomen standen wieder auf der Kuppel, die Finger über den glänzenden Teleskopen, bereit, das Universum zu beobachten. Doch diesmal hatte die Praktikantin einen Plan.
„Wir suchen immer draußen, aber vielleicht ist das All… etwas näher,“ murmelte sie und tauchte ein Teleskop klugerweise in eine Badewanne voller Wasser.
Wasser spritzte, Lachen hallte über die Kuppel, und für einen Moment schien alles stillzustehen. Dann flimmerte das Rohr. Die Spiegel begannen, sich zu wölben und zu glitzern, als hätten sie das Wasser gerochen und beschlossen, mitzuspielen.
Plötzlich formten die Reflexionen im Rohr winzige, wabernde Wasserplaneten. Jeder Spritzer aus der Badewanne erzeugte einen neuen Mini-Kosmos: Ozeane aus Milch, Monde aus Seifenschaum, kleine Teleskope, die mit winzigen Astronauten bevölkert waren.
„Seht ihr?“ rief der Praktikant begeistert. „Alles, was wir draußen suchen, war schon hier – wir mussten nur eintauchen!“
Professor Vankern schüttelte den Kopf, doch ein Lächeln glitt über sein Gesicht. „Vielleicht“, murmelte er, „war das Universum nie da draußen. Vielleicht war es nur in der Badewanne – und in unseren Gedanken.“
Und während die Astronomen lachten, sprangen, tauchten und ihre Hände durch die sprudelnden Mini-Planeten gleiten ließen, ertönte eine Stimme aus dem Rohr:
„Ihr spielt mit Wasser, und ich spiele mit euch. Alles ist möglich – sogar das Staunen über eine Badewanne voller Universen.“
Die Sterne glitzerten, die Planeten schwammen, und für den ersten Moment spürten die Astronomen das ganze All – von innen heraus, nass, glitschig und voller Möglichkeiten.
RIEFUNKE
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