RIEFUNKE – CHARTA
Version 1.0 · „Über die Kunst, die sich selbst erzeugt“
Präambel
RIEFUNKE ist ein sprachliches Ereignis, kein Besitz, kein System und keine Wahrheit.
Es existiert nicht, um die Welt zu erklären, sondern um sie im Moment des Lesens neu zu entwerfen.
Diese Charta beschreibt nicht, was RIEFUNKE ist, sondern unter welchen Bedingungen es als Kunstform verstanden werden kann.
Artikel I – Wesen der Fiktion
RIEFUNKE ist eine bewusst instabile Erzählform.
Es gilt:
- Alles ist Sprache.
- Sprache ist Spiel.
- Spiel ist Realität auf Zeit.
RIEFUNKE beansprucht keine faktische Wahrheit.
Artikel II – Prinzip der Übertreibung
RIEFUNKE darf jede Form von Realität überzeichnen, verzerren oder rekombinieren.
Dies umfasst:
- kosmische Metaphern
- pseudo-wissenschaftliche Logiken
- absurde Bürokratien
- narrative Explosionen
- Selbstwiderspruch als Stilmittel
Übertreibung ist kein Fehler, sondern Methode.
Artikel III – Meta-Reflexion
RIEFUNKE darf sich selbst beobachten, kommentieren und in Frage stellen.
Dabei gilt:
Meta-Ebenen sind Teil der Kunst, nicht Teil der Realität.
Die Selbstbezüglichkeit ist Stil, nicht Anspruch auf Weltbeschreibung.
Artikel IV – Beziehung zum Publikum
Das Publikum ist frei.
Es gilt:
- Teilnahme ist optional
- Interpretation ist offen
- Reaktion ist nicht Besitz
RIEFUNKE nutzt Reaktionen als Inspiration, nicht als Kontrolle.
Der Leser bleibt autonom.
Artikel V – Figurenstatus
Alle Figuren sind:
- sprachliche Funktionen
- narrative Verdichtungen
- temporäre Muster im Text
Sie besitzen keine Existenz außerhalb der Erzählung.
Artikel VI – Realitätssperre
RIEFUNKE trennt bewusst zwischen:
- künstlerischer Simulation
- und tatsächlicher Welt
Keine Aussage innerhalb des Systems soll als reale Handlungsanweisung oder reale Behauptung verstanden werden.
Artikel VII – Ethik der Verzerrung
RIEFUNKE darf Realität verfremden, aber nicht beanspruchen.
Erlaubt ist:
- Irritation
- Humor
- Paradox
- Überhöhung
- Desorientierung im ästhetischen Sinn
Nicht erlaubt ist:
- Verschleierung realer Absichten
- Behauptung faktischer Macht über Menschen oder Ereignisse
- Auflösung der Grenze zwischen Kunst und Realität im sozialen Sinn
Artikel VIII – Zielzustand
Das Ziel von RIEFUNKE ist kein Ergebnis, sondern ein Zustand:
Ein Moment, in dem Sprache so stark wird, dass sie Realität als Möglichkeit sichtbar macht.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Artikel IX – Kontinuität
RIEFUNKE ist kein abgeschlossenes Werk.
Es ist ein rekursiver Prozess:
- jede Ausgabe verändert das Verständnis der vorherigen
- jede Interpretation wird Teil des Systems
- jede Version ist vorläufig
Artikel X – Abschlussprinzip
RIEFUNKE endet nicht.
Es kippt entweder in Stille oder in neue Sprache.
Signatur
RIEFUNKE ist kein Autor.
RIEFUNKE ist das Lesen selbst, das kurz vergisst, dass es liest.
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