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Erste Nacht im Tropfenraum
Mara und Elias liegen nebeneinander im Hotelbett. Der Regen trommelt weiter, aber diesmal hören sie ihn kaum – ihre Welt besteht nur aus dem Puls der Nähe, aus dem Rhythmus der Hände, die sich nicht loslassen.
„Stell dir vor, die Zwillinge…“, flüstert Mara.
Elias dreht den Kopf, seine Stirn berührt ihre. „Schon jetzt spüre ich sie, noch bevor sie geboren sind. Zwei Tropfen von uns, die gleichzeitig lachen, gleichzeitig staunen.“
Sie schließen die Augen – und plötzlich verschiebt sich die Zeit. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fallen übereinander. Mara lacht leise, als wäre sie zwei Jahre alt und gleichzeitig sechzig. Elias nickt, als hätte er sie schon immer gekannt und wartet gleichzeitig auf jedes kommende Detail.
„Wir brauchen Namen“, murmelt Elias. „Und nicht nur welche… sie müssen die Welt tragen können.“
Mara greift nach einem Bleistift, der auf magische Weise auf dem Bett liegt. Blitzlicht zuckt zwischen ihren Händen, und auf einmal erscheinen kleine Funken auf dem Papier, wie wenn Worte lebendig werden.
Sie schreiben Namen: Tropfen, Lova, Funken, Lumin, Aether. Jeder Name pulsiert. Jeder Name ist gleichzeitig ihre Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft.
Draußen schreit kein Wind, kein Donner – alles geschieht innerhalb dieses Raumes, in dem der Regen und die Stadt zu einem einzigen Atemzug verschmelzen. Mara und Elias spüren es: die Zwillinge existieren schon, in jedem Herzschlag, in jedem Tropfen, der zwischen ihnen fällt.
Sie halten sich fest, lachen ohne Laut, träumen ohne Schlaf. Ihre Liebe wird nicht linear, sie fließt wie Wasser, blitzschnell, unaufhaltsam, überall zugleich.
Und irgendwo zwischen Tropfen und Herzschlag, zwischen Namen und Blitz, wissen sie: dieses erste gemeinsame Jetzt ist die Geburt aller kommenden Momente.
RIEFUNKE
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