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LIO sitzt auf der Küchenarbeitsplatte, die Füße schaukeln gegen den Schrank. Vor ihm dampft ein Kakao, daneben liegen drei Schokoriegel wie wichtige Regierungsdokumente. Er ist jetzt fünf — und man merkt es. Seine Stirn legt sich oft in Falten, wenn er nachdenkt.
LIO: „Papa… wenn KI alles lernen kann… dann kann sie bestimmt auch Bürgermeister sein.“
PAPA schaut vom Kaffee hoch. „Vielleicht irgendwann. Aber Bürgermeister müssen viele Menschen verstehen. Nicht nur Straßen und Computer.“
LIO nickt langsam. „Dann brauche ich auch KI.“
MAMA stellt Obst auf den Tisch. „Wofür denn?“
LIO hebt einen Finger, als halte er eine Rede:
„Damit Berlin besser wird.“
PAPA grinst. „Ah ja? Und was macht deine KI?“
LIO denkt kurz nach.
„Sie schaut zuerst, ob alle genug Schokolade haben.“
MAMA lacht leise. „Natürlich.“
„Und“, fährt Lio fort, „sie macht, dass keine Kinder im Regen traurig nach Hause gehen müssen. Dann baut sie überall warme Bushaltestellen mit Kakao-Knöpfen.“
PAPA lehnt sich zurück. „Kakao-Knöpfe?“
LIO nickt ernst.
„Wenn man drückt, kommt heißer Kakao raus. Aber nur kleine Becher. Sonst trinken die Erwachsenen wieder alles weg.“
Mama verschluckt sich fast vor Lachen.
LIO schaut aus dem Fenster in den grauen Himmel.
„Und die KI muss freundlich sein. Nicht so streng wie manche Schilder.“
PAPA: „Das ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe.“
LIO nimmt seinen Schokoriegel, als wäre es ein Mikrofon.
„Dann werde ich eben Bürgermeister von Berlin. Mit KI. Und mit Schokoladenregeln.“
„Welche Regeln?“ fragt Mama.
LIO zählt an den Fingern ab:
„Mehr Lachen.
Mehr Licht.
Weniger Streit.
Und freitags riechen alle Autos nach Kakao.“
Für einen Moment sagt niemand etwas.
Dann schaut Papa zu Mama und murmelt:
„Ich glaube… seine Partei würde gewinnen.“
RIEFUNKE
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