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Die chinesischen Rattenrichter, extra angereist, um persönlich in Meschede über das Chlorophyll-Patent zu verhandeln, hatten Pech: Ihr Schiff wurde in der berüchtigten Straße von Hormus festgesetzt, mitten in einem diplomatischen Chaos, das durch einen Angriff der USA und Israels auf den Iran ausgelöst worden war.
Gefangen zwischen internationalen Spannungen und aufgeregten Möwen, sahen die Rattenrichter keinen Ausweg. In hektischer Verzweiflung verfassten sie in feinstem Chinesisch einen Brief an den Vorsitzenden Rattenrichter in Meschede. Darin baten sie um Verzeihung für die Verzögerung und beteuerten gleichzeitig, dass sie die Geschehnisse der Sonne und der Solarzelle aus der Ferne aufmerksam verfolgten.
Der Vorsitzende Rattenrichter, der gerade seine Kaffeetasse gegen eine tropfende Pilzlampe tauschte, runzelte die Stirn, entzifferte die kunstvollen chinesischen Schriftzeichen – oder zumindest das, was er davon verstand – und brummte: „Na, dann warten wir eben, bis die Ratten Richter wieder aufgetaut sind… und hoffentlich keinen weiteren Krieg der Chlorophyll-Patente auslösen.“
Draußen auf dem Feld grinste die Solarzelle schadenfroh, während die Sonnenblume noch empörter als zuvor ihre verbliebenen Blätter in die Sonne reckte. Das Feld war zum Schauplatz eines internationalen Pflanzenrechtsdramas geworden, das selbst die schlauesten Maulwürfe nicht mehr zu überblicken vermochten.
Riefunke
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