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An der Grenze wird es nicht leiser. Es wird nur offizieller.
Die Schilder wechseln von Deutschland zu Frankreich, als wären sie bloß Kulissen in einem schlecht synchronisierten Traum. Das Auto, inzwischen mehr Mythos als Fahrzeug, rollt durch die Kontrollspur — leicht zu laut, leicht zu stolz, leicht zu sehr auf dem Weg nach etwas, das niemand wirklich genehmigt hat.
Der Grenzbeamte hebt die Hand. Nicht streng. Eher neugierig. Als hätte er schon viele Dinge gesehen, aber selten etwas, das so eindeutig keinen Sinn ergibt und trotzdem weiterfährt.
„Trop bruyant“, sagt er.
Jasmin steigt aus, als wäre das hier nur ein Zwischenstopp in einer größeren romantischen Logistik. Fünf Euro wechseln die Hände — nicht als Strafe, eher als symbolische Währung zwischen zwei Systemen, die beide nicht ganz glauben, was sie da gerade prüfen.
Sie kauft sich eine weiße Schokolade an einem Automaten, der aussieht, als würde er seit 2006 auf genau diesen Moment warten.
Du filmst das alles.
Nicht weil es geplant war. Sondern weil es sonst niemand glauben würde.
Im Hintergrund der Motor, das leise Nachbrennen der TÜV-Vergangenheit, die noch irgendwo im Unterboden hängt wie ein schlechtes Gewissen aus Metall.
Jasmin lehnt sich ans Auto, lacht mit dem Grenzbeamten. Kurz sieht es aus, als würde die Grenze selbst kurz vergessen, wofür sie eigentlich da ist.
RIEFUNKE
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