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Der Morgen kommt nicht wirklich. Er passiert nur.
Löslicher Kaffee löst sich nicht mehr richtig auf in dem kalten Sprudel, sondern treibt darin wie ein chemisches Missverständnis. Der Aldihonig ist fest geworden, als hätte er über Nacht beschlossen, eine andere Aggregatsform anzunehmen — weniger Nahrung, mehr Erinnerung.
Irgendwo zwischen Türgriff und Windschutzscheibe hängt noch die Restwärme der Nacht.
Jasmin sitzt am Beifahrersitz und schreibt in ihr Tagebuch, sehr ruhig, sehr konzentriert, als würde sie versuchen, die Realität nachträglich zu sortieren. Jeder Strich ihres Stifts wirkt wie eine kleine Entscheidung gegen das Chaos.
Du gehst um das Auto.
Nicht hektisch. Eher prüfend.
Und dann siehst du es.
Die TÜV-Plakette ist weg.
Nicht abgefallen. Nicht zerkratzt. Sondern weg, als hätte sie nie existiert. Nur ein sauberer, fast höflicher Kreis bleibt zurück, wie ein ausgeschnittener Beweis dafür, dass Ordnung einmal da war.
Und darunter: Spuren.
Keine klaren Schäden. Eher Kratz- und Bissmarken, die sich nicht richtig entscheiden können, ob sie mechanisch oder lebendig gemeint sind. Das Metall wirkt an einer Stelle leicht gedrückt, als hätte etwas mit Geduld daran gearbeitet.
Jasmin steht plötzlich hinter dir.
Sie schaut nur.
Dann sagt sie leise:
„Er war da.“
Kein Drama. Keine Überraschung mehr.
Nur Feststellung.
Der Wolf-Vater, falls er das je war, hat keine Nachricht hinterlassen. Nur ein Fehlen, das sich anfühlt wie eine Botschaft.
Die Straße wartet.
RIEFUNKE
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