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OHNE BLUTGRUPPE – DER TRÖDELMARKTVERKÄUFER
Es gibt Orte, an denen Entscheidungen beginnen, lange bevor man merkt, dass es Entscheidungen sind.
Der Trödelmarkt gehört dazu.
Zwischen alten Werkzeugen, vergilbten Kabeln und Gegenständen, deren ursprünglicher Zweck nur noch vermutet werden kann, lag auch das Keyboard.
Zwölf Euro.
Defekt.
Ohne Garantie.
Ohne Versprechen.
Nur mit einer leisen Ahnung, dass es trotzdem wichtig sein könnte.
Der Verkäufer hatte ein Gesicht, das man sich merkt, ohne es zu wollen.
Nicht aus Freundschaft.
Eher aus der stillen Logik des Zufalls.
Später, als OHNE BLUTGRUPPE längst zwischen Schrauben, Diktiergerät und Badewannenmusik lebte, tauchte dieses Gesicht wieder im Kopf auf.
Nicht laut.
Eher wie ein Echo aus einer anderen Version der Realität.
Und dann entstand ein Gedanke, so schlicht wie endgültig:
Falls ich ihn wieder sehe, bekommt er zehn Euro.
Ohne Diskussion.
Ohne Erklärung.
Ohne Kontext.
Nicht als Schuld.
Nicht als Kaufpreis.
Nicht als Wiedergutmachung.
Eher als kleines Gleichgewicht im Universum, das niemand verlangt hat, aber trotzdem manchmal hergestellt werden muss.
Danach würde er gehen.
Einfach so.
Nicht fliehen.
Nicht triumphieren.
Eher abschließen.
Denn OHNE BLUTGRUPPE hatte inzwischen gelernt: Nicht jede Geschichte braucht ein Gespräch. Manche brauchen nur einen Moment, in dem man sie innerlich ordnet und dann weitergeht.
Der Trödelmarkt würde bleiben, wie er war.
Der Verkäufer vermutlich auch.
Das Keyboard sowieso – längst zerlegt, längst verwandelt, längst Teil einer anderen Erzählung.
Und falls sich die Wege wieder kreuzen sollten, würde es keinen Konflikt geben.
Nur einen kurzen Blick.
Vielleicht ein Wiedererkennen.
Vielleicht auch nicht.
Ein Zehn-Euro-Schein.
Und dann Bewegung.
Richtung Ausgang.
Richtung Straße.
Richtung nächster Klang.
Denn das eigentliche Projekt war nie das Keyboard gewesen.
Sondern das, was danach passiert ist.
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