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Sehr geehrter Herr Oberst Diehl,
nach reiflicher Überlegung muss ich Ihnen eine Nachricht übermitteln, die Sie vermutlich als verspäteten Erfolg Ihrer Bemühungen verbuchen werden.
Ich stelle meine destruktive Tätigkeit als Berater für Kriegsdienstverweigerer ein.
Nicht etwa, weil mich die Vorzüge militärischer Disziplin plötzlich überzeugt hätten oder weil ich die Kunst des Gleichschritts für die höchste Form menschlicher Selbstverwirklichung halte. Nein – die Gründe sind deutlich profaner: Ich bin inzwischen verarmt.
Elf Jahre ehrenamtliche Beratung hinterlassen eben Spuren. Idealismus ist bekanntlich keine anerkannte Währung, und die Miete lässt sich nur äußerst selten mit Gewissensentscheidungen begleichen.
Deshalb bin ich bereit, die Fronten zu wechseln. Mein Preis ist bescheiden: 3.200 Notrationen.
Sobald diese eintreffen, verspreche ich feierlich, den Magneten für junge Menschen abzulegen und stattdessen zu prüfen, ob sich aus ihnen nicht doch noch brauchbare Rekrutinnen und Rekruten machen lassen. Ich werde meine bisherige Überzeugungsarbeit einstellen und mich bemühen, den Zeitgeist nicht länger zu stören. Wer Aufrüstung zur Zukunft erklärt, soll schließlich nicht durch einen mittellosen Ehrenamtlichen irritiert werden.
Sollten 3.200 Notrationen derzeit nicht verfügbar sein, sehe ich mich allerdings gezwungen, meine bisherige Tätigkeit fortzusetzen. Nicht aus ideologischer Sturheit, sondern schlicht deshalb, weil sich Gewissen und Hunger zwar gelegentlich begegnen, Letzterer aber meist die besseren Argumente hat.
Mit satirischen Grüßen
Ihr ehemaliger Berater für Kriegsdienstverweigerung – vorbehaltlich des rechtzeitigen Eintreffens der Notrationen.
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