RIEFUNKE – Die Behörde für nicht gesendete Gedanken
Ort: Unterhalb der Stadt, zwischen U-Bahn-Tunneln und vergessenen WLAN-Signalen
Zeit: Immer dann, wenn niemand zuhört
Es gibt eine Behörde, die offiziell nicht existiert.
Dort landen alle Gedanken, die Menschen fast gesagt hätten.
Der Satz im Streit, der nicht gefallen ist.
Die Entschuldigung, die im Hals stecken blieb.
Der Kriegsgedanke, der im letzten Moment umgekehrt wurde.
Die Liebe, die nur als Blick existierte.
Alles wird gesammelt.
Sortiert von den Ratten des Unausgesprochenen.
Abteilung 1 – Eingehende Gedanken
Friedrich notiert:
„Gedanke 44.382: Ich hätte bleiben sollen. Status: nicht gesendet.“
Emil prüft:
„Rechtslage: neutral. Wirkung: offen.“
Lotte sagt:
„Das ist kein Fehler. Das ist ein Parallelleben.“
Abteilung 2 – Verdichtung
Gedanken werden hier nicht gespeichert, sondern verdichtet.
Aus „fast Krieg“ wird ein Tropfen Dunkelheit.
Aus „fast Liebe“ wird Wärme ohne Richtung.
Aus „fast Entscheidung“ wird ein Vibrieren im Raum.
Sofie murmelt:
„Das ist die ehrlichste Form von Realität.“
Karl widerspricht nicht. Karl hört nur zu.
Abteilung 3 – Rückführung in die Welt
Einige Gedanken sind zu schwer, um gespeichert zu werden.
Sie werden zurückgeschickt.
Nicht an Menschen.
Sondern an Orte:
- Bahnhöfe
- Küchen
- Bundestagsflure
- Nächte kurz vor dem Einschlafen
Dort passieren sie wieder.
Ohne dass jemand merkt warum.
Zentrale Regel der Behörde
Ein Satz hängt über allem:
„Nichts verschwindet. Es wechselt nur den Zustand.“
Und irgendwo, tief unter Berlin, surren die Geigerzähler wieder.
Nicht für Strahlung.
Sondern für das, was Menschen nicht gesagt haben.
RIEFUNKE
– Tropfen der nicht gesendeten Realität
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