Sehr geehrte kleine Sonne mit unverändert verlässlichen 4–5 Millimetern Durchmesser,
Ihr Schreiben wurde ordnungsgemäß in das Aktenzeichen „H-SONNE/04–05mm/Leuchtkraft unbekannt, aber auffällig“ aufgenommen und mit der höchsten verfügbaren Prioritätsstufe versehen, die im Haus derzeit unterhalb von „Kaffeemaschine defekt“ liegt.
Ihr vorsorglicher Hinweis auf mögliche strategische Fehlinterpretationen Ihrer Leuchtaktivität wurde ernsthaft geprüft und unmittelbar an die zuständige Stelle für unerwartete Himmelskörperphänomene weitergeleitet. Dort teilte man nüchtern mit, dass man sich grundsätzlich nicht mit Dingen beschäftigt, die sowohl politisch als auch physikalisch gleichzeitig leuchten.
Bezüglich Ihres angekündigten „Ausgehens wie ein Blitz“ im Falle unautorisierter Nutzung durch militärische oder vergleichbare Institutionen darf ich beruhigend mitteilen: Das Haus verfügt derzeit weder über eine Infrastruktur zur militärischen Zweckentfremdung kleiner Sonnen noch über einen Plan, der auch nur entfernt in diese Richtung leuchtet. Die größte strategische Herausforderung bleibt weiterhin die korrekte Bedienung des Druckers im dritten Stock.
Ihr vorgeschlagener Zusatz im Besucherprofil wurde daher wie folgt übernommen und archiviert:
„Nicht für militärische Nutzung vorgesehen. Leuchtverhalten: eigenständig, nicht delegierbar. Außerdem schlecht stapelbar.“
Ich darf ergänzen, dass das Abgeordnetenhaus Ihre Existenz weiterhin als „lichttechnisch interessant, aber verwaltungsmäßig schwer einzuordnen“ bewertet und daher empfiehlt, Sie bei Ihrem Besuch möglichst nicht neben reflektierenden Oberflächen wie polierten Geländern oder ambitionierten Reden zu platzieren.
Wir freuen uns dennoch auf Ihr Erscheinen und bitten lediglich darum, beim Eintritt kurz anzugeben, ob Sie im Modus „sanfte Morgenhelligkeit“ oder „parlamentarischer Tagesanbruch“ erscheinen.
Mit hochachtungsvoll gedimmten Grüßen
Der Pförtner
(Abteilung: Licht, Schatten und unerklärliche Himmelskörper im Verwaltungsbereich)