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Nachtrag des Pförtners
Sehr geehrte kleine Sonne,
ich muss Ihnen noch einmal schreiben. Seit Ihrem Brief schlafe ich ausgesprochen schlecht.
Das liegt allerdings nicht an der Glasfaser. Die habe ich inzwischen innerlich längst wieder aufgerollt.
Nein – es liegt am Sauerbraten.
Seit Tagen verfolgt mich der Gedanke an Rosinen, Aldihonig, Lorbeer und Nelken. Immer wieder frage ich mich, ob ein Schuss französischer Rotwein dem Ganzen vielleicht noch den letzten Schliff verleihen würde. Und, Hand aufs Herz: Gehört nicht auch ein guter Dijon-Senf dazu?
Meine Ehefrau hat die Angelegenheit inzwischen vollständig übernommen. Während ich noch über die Statik einer Glasfaserleitung nachdenke, hat sie bereits die Anreise nach Meschede geplant. Gestern Abend legte sie mir kommentarlos eine Straßenkarte auf den Tisch und sagte nur:
„Wenn der Braten hält, was der Brief verspricht, fahren wir.“
Seitdem beschäftigt uns nur noch eine organisatorische Frage: Kennen Sie zufällig ein preiswertes Hotel in Ihrer Nähe? Wir möchten Ihnen nicht zur Last fallen – obwohl meine Frau meint, bei dem angekündigten Sauerbraten könne man notfalls auch im Flur übernachten.
Sollte die Glasfaser irgendwann doch verlegt werden, schlage ich vor, sie ausschließlich zur Übertragung von Rezepten, freundlichen Grüßen und gelegentlichen Friedensgedanken zu verwenden. Diese Leitungen sind erfahrungsgemäß die störungsärmsten.
Mit inzwischen recht hungrigen Grüßen
Ihr Pförtner
P.S.: Falls der Rotwein tatsächlich in den Braten kommt, bringen wir vorsichtshalber eine zweite Flasche mit. Rein zu wissenschaftlichen Vergleichszwecken, versteht sich.
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