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Sehr geehrte kleine Sonne,
haben Sie vielen Dank für Ihr Schreiben und Ihr überaus großzügiges Angebot eines Sauerbratens mit Rosinen, gedünstet in Aldihonig sowie verfeinert mit Lorbeer und Nelken. Allein die Speisekarte hätte beinahe dazu geführt, dass ich meinen Pförtnerstuhl verlassen hätte.
Nach reiflicher Überlegung muss ich Ihr Vorhaben dennoch ablehnen.
Eine Glasfaserverbindung quer durch das Haus bis in den Plenarsaal zu verlegen, erscheint mir zu riskant. Das Kabel könnte leicht übersehen werden, und wenn jemand darüber stolpert, wäre am Ende nicht nur das Kabel, sondern auch die Debatte am Boden.
Im Haus wird derzeit viel über Sicherheit, Verteidigung und die Zukunft Europas gesprochen. Die Diskussionen sind lebhaft und nicht selten hitzig. Vielleicht täte es allen Beteiligten gut, wenn zwischen all den Kabeln, Akten und Mikrofonen auch hin und wieder ein Gedanke Platz fände, der daran erinnert, dass Frieden meist weniger Lärm macht als ein Konflikt mit Russland, aber oft die größere Leistung ist.
Ihre Nachricht hat mich deshalb auf eine andere Idee gebracht: Vielleicht braucht das Haus gar keine neue Glasfaserleitung. Vielleicht braucht es gelegentlich eine Verbindung zwischen Köpfen und Herzen. Die ist zwar technisch schwer zu verlegen, verursacht aber deutlich weniger Stolperfallen.
Es freut mich zu hören, dass Sie jungen Menschen dabei helfen, ihren eigenen Gewissensweg zu finden. Ob jemand Wehrdienst leistet oder aus Gewissensgründen verweigert – eine freie Gesellschaft lebt davon, dass solche Entscheidungen verantwortungsvoll und im Rahmen des Rechts getroffen werden können.
Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Rheuma bald nachlässt und Ihre kleine Sonne wieder unbeschwert leuchten kann. Für Ihren Sauerbraten danke ich Ihnen herzlich – schon der Gedanke daran wärmt mehr als manche hitzige Debatte.
Mit freundlichen Grüßen
Der Pförtner
P.S.: Falls Sie eines Tages eine Leitung verlegen möchten, die mehr Verständnis als Spannung überträgt, reserviere ich Ihnen gern den ersten Meter.
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