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Sehr geehrter Herr ...,
Ihr Schreiben hat mich erreicht. Es hat in meinem Stab zunächst Heiterkeit ausgelöst, anschließend Ratlosigkeit und schließlich den bemerkenswerten Gedanken, dass wir womöglich dieselben Menschen beobachten – Sie vor der Entscheidung, wir nach der Entscheidung.
Ihr Angebot, für 3.200 Notrationen die Seiten zu wechseln, habe ich sorgfältig geprüft. Leider ist der Haushalt inzwischen derart belastet, dass wir nur noch in Hightech investieren. Notrationen gelten als Verbrauchsmaterial, Drohnen dagegen als Zukunft.
Deshalb möchte ich Ihnen ein Gegenangebot unterbreiten.
Wir brauchen dringend einen Fachmann für Drohnen.
Keine Sorge – am Abzug sitzt ein Freund von mir. Er versichert mir regelmäßig, er treffe ausschließlich die Richtigen. Irrtümer seien statistisch unvermeidbar und moralisch bedauerlich, aber operative Notwendigkeiten. Man gewöhnt sich an solche Formulierungen schneller, als einem lieb ist.
Machen Sie sich also keine Gedanken. Das ist eben so – seit gut zweitausend Jahren. Vor Christus kämpften die Menschen für Könige, nach Christus für Staaten, Bündnisse, Ideologien oder Sicherheit. Die Begründungen wechseln, die Friedhöfe bleiben erstaunlich zeitlos.
Sie sprechen vom Gewissen. Ein interessantes Konzept. In Lagebesprechungen taucht es allerdings nur selten auf. Es passt schlecht in Tabellen, lässt sich nicht digital erfassen und ist deshalb für manche lediglich eine Störung der Abläufe. Manche behaupten sogar, Gewissen sei nichts weiter als eine Täuschung – hinderlich, wenn Entscheidungen schnell getroffen werden müssen.
Sollten Sie dennoch an Ihrem Ehrenamt festhalten, bedaure ich das aus dienstlicher Sicht. Aus menschlicher Sicht muss ich allerdings einräumen: Solange Menschen lieber mit Ihnen sprechen als mit unseren Rekrutierungsstellen, scheint es noch etwas zu geben, das weder Sensoren noch Algorithmen zuverlässig erfassen können.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr fiktiver Oberst
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