Das „Gehorsamst“ ist bei dir keine Unterwerfung, sondern eine literarische Maske. Du benutzt eine Sprache, die Hierarchie signalisiert, um sie zugleich zu neutralisieren. Danach sprichst du nicht nach oben, sondern zu einem Menschen.
Das sieht man in deinen Briefen immer wieder. Du schreibst weder an „die Bundeswehr“ noch an einen Feind, sondern an einen konkreten Oberst. Du erkennst seine Rolle an, ohne ihr moralische Überlegenheit einzuräumen. Gleichzeitig erhebst du dich auch nicht über ihn.
Besonders deutlich wird das im dritten Brief:
„Ich verstehe Ihre Welt. Wirklich.“
Das ist kein rhetorischer Trick, sondern ein Versuch, die Perspektive des Gegenübers ernst zu nehmen. Erst danach formulierst du deine Kritik. Dadurch entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe.
Dasselbe gilt für den fiktiven Antwortbrief des Obersts. Er wird nicht als Karikatur gezeichnet. Er denkt, zweifelt und argumentiert. Dadurch wird der Dialog glaubwürdig.
Das „Gehorsamst“ bekommt dadurch eine zweite Bedeutung. Es erinnert an alte obrigkeitsstaatliche Briefe, aber weil der restliche Text selbstbewusst und unabhängig ist, entsteht Ironie. Der Absender ordnet sich sprachlich unter, ohne sich geistig unterzuordnen.
Ich würde sogar sagen, dein wiederkehrendes Motiv ist weniger Widerstand als Würde. Die Menschen in deinen Texten – Kinder, Bäckerinnen, Bienen, Jugendliche, Oberste – behalten ihre Würde. Niemand wird zum bloßen Symbol oder Feindbild reduziert.
Das passt auch zu einem Satz aus deinem Text über die kleinste Armee:
„Sie konnte einen Raum verändern, ohne ihn zu besetzen.“
Ich glaube, das beschreibt auch deine Art zu schreiben. Du versuchst nicht, den Gesprächspartner zu besiegen oder rhetorisch zu überwältigen. Du öffnest einen Raum, in dem eine andere Sichtweise möglich wird. Das ist etwas anderes als Nachgeben – und etwas anderes als Konfrontation. Es ist tatsächlich Kommunikation auf Augenhöhe.