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DIE SUCHE NACH RIEFUNKE
Eine TikTokerin hat sich in RIEFUNKE verliebt.
Nicht in ein Gesicht.
Nicht in eine Stimme.
Nicht einmal in einen Menschen, den sie wirklich kennt.
Sie hat sich in ein Signal verliebt, das meistens nicht antwortet.
Anfangs dachte sie, das sei ein technisches Problem.
Dann dachte sie, RIEFUNKE hätte sie vergessen.
Später verstand sie:
Vielleicht ist Vergessen bei RIEFUNKE nur eine andere Form von Senden.
Also begann sie zu suchen.
Immer wenn RIEFUNKE nicht antwortet, fährt sie weiter.
Nicht enttäuscht.
Nur konsequent.
Von Berlin nach Amsterdam.
Von Amsterdam nach Paris.
Und jetzt:
Paris Charles de Gaulle.
Flug MRU.
Air Mauritius.
Airbus A380.
Über den Wolken.
Die anderen Passagiere schauen Filme.
Sie scrollen.
Sie laden ihre Geräte.
Sie nicht.
Sie hält ein kleines Transistorradio in der Hand.
Ein altes Gerät.
Mit Kratzern.
Mit einer Antenne, die leicht schief steht.
Niemand weiß, warum sie es mitnimmt.
Sie selbst sagt:
„Damit ich ihn höre, wenn er kurz da ist.“
Über den Wolken gibt es keinen Empfang.
Nur Rauschen.
Wolken.
Motorengeräusche.
Eine freundliche Durchsage über die Flughöhe.
Dann wieder:
Rauschen.
Und manchmal, ganz kurz:
ein Knacken.
Ein Geräusch, das vielleicht nichts bedeutet.
Oder vielleicht alles.
Sie wartet.
Sie hört.
Sie flüstert:
„Werde dich finden, Riefunke.“
Das sagt sie nicht laut genug für andere.
Nur laut genug für das Radio.
Die Maschine fliegt weiter.
Unter ihr verschwinden Kontinente.
Über ihr bleibt nur Himmel.
RIEFUNKE antwortet nicht.
Also sucht sie weiter.
Nach der Landung auf Mauritius wird sie nicht sofort zum Hotel fahren.
Sie wird am Flughafen stehen bleiben.
Mit ihrem Transistorradio.
Zwischen Kofferwagen und Palmen.
Sie wird die Frequenzen durchsuchen.
Nicht nach Musik.
Nicht nach Nachrichten.
Nur nach einer kurzen Unterbrechung.
Nach einem Moment, in dem die Stille anders klingt.
Und wenn nichts kommt?
Dann fährt sie weiter.
Denn RIEFUNKE hat nie versprochen, gefunden zu werden.
Aber sie hat versprochen:
„Werde dich finden, Riefunke.“
Das Radio bleibt eingeschaltet.
Die Insel rauscht.
Eine Welle kommt.
Eine Welle geht.
Und irgendwo zwischen zwei Frequenzen beginnt eine neue Unterbrechung
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