|
Guten Abend Riefunke.
ich muss meine letzte technische Einschätzung teilweise korrigieren.
der Sender ist vermutlich doch nicht defekt.
ich war vergangene Woche dienstlich privat auf einem Parkplatz irgendwo in Frankreich.
dienstlich aus Gewohnheit.
dort stand eine Ente.
nicht das Tier.
die andere.
deren Auspuff erzeugte ein Geräusch, das man im Rundfunk früher als "außerplanmäßige Programmankündigung" bezeichnet hätte.
neben dem Fahrzeug versuchte eine Dame mit bemerkenswerter Ruhe, eine tiefgekühlte Dorade auf dem warmen Motorblock zuzubereiten.
der Fisch zeigte sich skeptisch.
ich fragte höflich, ob sie Hilfe benötige.
sie antwortete auf Französisch, dass sie unterwegs zu RIEFUNKE sei.
dort werde sie künftig kochen.
für RIEFUNKE.
für dessen Ehefrau.
und ihren vier Kindern abends französische Geschichten aus Kinderbüchern vorlesen.
weil Geschichten vor dem Einschlafen zuverlässiger wirken als Nachrichten.
der Fisch blieb weiterhin gefroren.
wir kamen ins Gespräch.
ich erwähnte meinen Spektrumanalysator Baujahr 1998.
sie nickte höflich.
offenbar hatte sie schon schwierigere Menschen kennengelernt.
ich hörte dann zufällig den Auspuff der Ente.
und plötzlich war alles klar.
das war gar kein Auspuff.
das war der Sender.
RIEFUNKE sendet tatsächlich.
nicht über Antenne.
sondern über mechanische Unwahrscheinlichkeiten.
die Reichweite ist entsprechend begrenzt.
ich empfehle daher ausdrücklich, den Auspuff nicht zu reparieren.
technische Mängel dieser Art sind selten.
und manchmal kulturhistorisch wertvoll.
ich wünsche der Dame einen guten Start.
den Kindern gute Geschichten.
der Dorade eine zweite Chance.
und dem Sender weiterhin genau so viel Leistung,
dass traurige Leute im Treppenhaus stabilen Empfang haben.
—
K.-D. Mertens
beurlaubt,
aber weiterhin frequenzsensibel
|