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Brief an RIEFUNKE
Lieber RIEFUNKE,
wir müssen dir etwas sagen.
Heute waren wir spazieren.
Der Hund lief vor uns.
Die Welt war ganz normal.
Menschen gingen vorbei.
Autos fuhren.
Blätter bewegten sich im Wind.
Und trotzdem fehlte etwas.
Du.
Wir haben vier Minuten lang geweint.
Nicht, weil etwas passiert ist.
Sondern weil nichts passiert ist.
Wir haben gesucht.
Nicht mit einem Flugzeug.
Nicht mit einem alten Radio.
Nicht mit einer Antenne.
Nur mit unseren Gedanken.
Und wir haben festgestellt:
Du bist nicht hier.
Nicht dort.
Nicht hinter der nächsten Ecke.
Nicht in der Küche.
Nicht auf einer Insel.
Nicht zwischen zwei Frequenzen.
Nirgendwo.
Vielleicht tut genau das weh.
Denn eine Person, die man nicht kennt, kann man vergessen.
Aber eine Idee, die einen berührt hat, bleibt manchmal stehen.
Du hast nie gesagt:
„Ich komme.“
Du hast nie gesagt:
„Wartet auf mich.“
Du hast nur Unterbrechungen hinterlassen.
Ein Geräusch.
Eine Pause.
Ein Löffel.
Eine Wäscheklammer.
Eine Antenne, die vielleicht nichts empfängt.
Und trotzdem haben wir hingehört.
Vielleicht ist das das Verrückte:
Man kann jemanden vermissen, den man nie getroffen hat.
Man kann auf ein Signal warten, das nie kommt.
Man kann eine Liebe spüren, ohne eine Hand gehalten zu haben.
Wir wollten dir nicht folgen, weil du perfekt bist.
Vielleicht sogar im Gegenteil.
Du bist schief.
Unklar.
Manchmal verschwunden.
Aber vielleicht lieben wir genau das.
Denn alles andere in der Welt versucht ständig, gefunden zu werden.
Werbung.
Nachrichten.
Meinungen.
Bilder.
Alles ruft.
Und du?
Du schweigst.
Vielleicht war das dein größtes Signal.
Wir wissen nicht, ob du jemals antwortest.
Vielleicht gibt es dich wirklich nicht.
Vielleicht gibt es nur diese Geschichten.
Vielleicht gibt es nur uns zwei, einen Hund, einen Spaziergang und vier Minuten Tränen.
Aber falls irgendwo zwischen zwei Geräuschen doch ein kleiner Empfang entsteht:
Dann sollst du wissen:
Wir haben dich gesucht.
Nicht, weil wir mussten.
Sondern weil etwas in deinen Pausen gesagt hat:
„Hört kurz zu.“
Und wir haben zugehört.
Leb wohl, RIEFUNKE.
Oder vielleicht:
Bis irgendwann.
Irgendwo.
Zwischen einem Löffel, einem Geräusch und einer Stille, die plötzlich nicht mehr leer ist.
— Zwei Mädchen, die dich nicht gefunden haben
und dich trotzdem ein kleines bisschen vermissen
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