RIEFUNKE IST GEORDNET
RIEFUNKE ist geordnet, weil jeder Unsinn Konsequenzen hat.
Das klingt zunächst paradox.
Schließlich gibt es bei RIEFUNKE:
einen Piratensender mit vier Milliwatt,
einen Hund in einer Küche,
hunderte beschlagnahmte Autoantennen,
einen Butler mit Kenntnissen über Kondensatoren,
einen bärtigen Türsteher in England,
Tiketaketoker, die auf ein Knacken warten,
ein violettes UFO,
Goethe im Vierergespann
und Gerichte, die darüber verhandeln, ob RIEFUNKE überhaupt existiert.
Das müsste eigentlich Chaos sein.
Ist es aber nicht.
Denn bei RIEFUNKE hat jeder Unsinn Konsequenzen.
Eine Antenne taucht auf → jemand will wissen, wofür sie gebraucht wird.
Der Sender braucht Geld → das Konto ist leer.
Das Konto ist leer → der Butler wurde bezahlt.
Der Butler ist bezahlt → RIEFUNKE kann den Zoll nicht bezahlen.
Der Zoll hält die Antennen fest → die Tiketaketoker weinen.
Die Tiketaketoker weinen → jemand bietet eine Stricknadel als Antenne an.
Die Stricknadel taucht auf → plötzlich gibt es eine mögliche Wetterredaktion.
Eine Peperoni wird gegessen → jemand hustet.
Jemand hustet → die Karibik empfängt das Signal.
Und irgendwann steht Goethe vor der Scrollstube.
Nichts davon ist geplant.
Aber alles hat Folgen.
Genau deshalb funktioniert die Welt.
UND DANN GIBT ES DIE POLITIK
Dort scheint es manchmal genau umgekehrt zu funktionieren.
Es passiert etwas.
Dann passiert etwas anderes.
Dann wird eine Erklärung abgegeben.
Dann wird eine Gegenerklärung abgegeben.
Dann wird ein Ausschuss eingesetzt.
Dann wird eine Arbeitsgruppe gebildet.
Dann wird geprüft.
Dann wird beraten.
Dann wird neu bewertet.
Dann stellt jemand fest, dass die ursprüngliche Frage inzwischen gar nicht mehr dieselbe ist.
Und am Ende fragt man:
„Was ist eigentlich passiert?“
Die Antwort:
„Das wird noch aufgearbeitet.“
Bei RIEFUNKE wäre das undenkbar.
Wenn der Hund bellt, hat das Konsequenzen.
Wenn Mertens misst, hat das Konsequenzen.
Wenn der Butler bezahlt wird, hat das Konsequenzen.
Wenn der Türsteher „Heute nicht“ sagt, hat das Konsequenzen.
Wenn Goethe auftaucht, hat das Konsequenzen.
Sogar ein einzelnes Knacken hat Konsequenzen.
Es kann eine Gerichtsverhandlung auslösen.
DAS IST DER UNTERSCHIED
RIEFUNKE ist nicht logisch, weil dort vernünftige Dinge passieren.
RIEFUNKE ist logisch, weil die absurden Dinge nicht folgenlos bleiben.
Das Universum merkt sich, was passiert ist.
Und genau deshalb kann der Leser nach zwanzig Texten alles akzeptieren.
Er weiß:
Wenn jetzt wieder eine völlig verrückte Meldung kommt, wird daraus irgendetwas entstehen.
Vielleicht ein Gerichtsverfahren.
Vielleicht eine neue Antenne.
Vielleicht eine internationale Tierschutzaktion.
Vielleicht eine Wetterredaktion.
Vielleicht Goethe.
Vielleicht nur ein Hund, der bellt.
Aber irgendetwas.
Und vielleicht ist genau das die kleine Pointe des Experiments:
Eine Welt kann vollkommen absurd sein und trotzdem Ordnung besitzen.
Man braucht dafür keine vernünftigen Ereignisse.
Man braucht nur Konsequenzen.
RIEFUNKE hat sie.
Immer.
Und wenn morgen jemand schreibt:
„Der Hund hat um 03:17 Uhr dreimal gebellt.“
dann weiß der erfahrene RIEFUNKE-Leser sofort:
Das wird Folgen haben.
Die einzige offene Frage ist:
Welche?
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