Hinweis zur Fiktion:
Die folgende Geschichte ist vollständig frei erfunden. Die darin dargestellte Übernahme von RIEFUNKE durch Stella McCartney, sämtliche Gespräche, Begegnungen, geschäftlichen Vorgänge sowie Verbindungen zwischen Stella McCartney, RIEFUNKE, Nicole Kidman und den übrigen Figuren sind literarische Erfindungen. Reale Personen und reale Ereignisse dienen ausschließlich als Ausgangspunkte für eine absurde RIEFUNKE-Erzählung. Es handelt sich um keine tatsächliche Nachricht und um keine tatsächliche geschäftliche Beziehung.
Es begann mit einer Insolvenz.
Das war zunächst nichts Besonderes.
RIEFUNKE hatte Insolvenz angemeldet.
Grund: zu wenige Besucher.
Vier im Monat.
Manchmal drei.
Einmal sogar nur zwei, wobei einer davon vermutlich der Paketbote gewesen war.
Der Sender war außer Betrieb.
RIEFUNKE war außer Haus.
Das Mikrofon lag im Kühlschrank.
Und der Hund saß in der Küche.
Damit hätte die Geschichte eigentlich beendet sein können.
Aber dann kam TikTok.
DIE SPENDENAKTION
Innerhalb weniger Minuten besuchten plötzlich sehr viele Menschen die Webseite.
Sie wollten helfen.
Jemand fragte nach einem Spendenkonto.
Jemand anderes wollte eine Crowdfunding-Aktion starten.
Ein Dritter schrieb:
„Wo kann ich für RIEFUNKE spenden?“
Das Problem:
Es gab kein Spendenkonto.
Niemand wusste, wer eines einrichten sollte.
RIEFUNKE war nicht erreichbar.
Der Butler war nicht zuständig.
Mertens hatte keinen Zugriff.
Der Hund konnte keinen Computer bedienen.
Das Mikrofon lag weiterhin im Kühlschrank.
Die Spendenaktion wurde deshalb verschoben.
DANN KAMEN DIE KNOCHEN
Nachdem bekannt geworden war, dass sich in der Küche ein Hund befand, änderte sich die Lage erneut.
TikTok sorgte sich.
Der Hund darf nicht verhungern.
Es wurden Knochenpakete verschickt.
Die Anschrift lautete:
AN DEN HUND VON RIEFUNKE DEUTSCHLAND – BAYERN
Keine Straße.
Keine Hausnummer.
Keine Postleitzahl.
Nur:
der Hund.
DHL war ratlos.
Der Hund bellte.
Die Knochen waren unterwegs.
Niemand wusste wohin.
DANN KAMEN DIE TIERE
Zunächst waren es Hunde.
Dann Katzen.
Dann Tauben.
Dann Elefanten.
Dann Löwen.
Dann Zebras.
Die Ameisen waren am schnellsten.
Niemand hatte sie gerufen.
Sie waren einfach da.
Der Auftrag war inzwischen international:
ERST DEN HUND.
DANN RIEFUNKE.
Mertens wollte einwenden, dass der Sender technisch viel interessanter sei.
Der bärtige Türsteher sah ihn an.
„Hund.“
Mertens:
„Verstanden.“
DIE WELT SUCHT RIEFUNKE
In London standen Tauben vor Radiogeschäften.
In Berlin warteten Wildschweine.
In Paris versammelten sich Hunde.
In Brüssel schauten mehrere Hunde gleichzeitig in dieselbe Richtung.
In Afrika suchten Löwen nach dem Pinscher.
Elefanten versuchten sich daran zu erinnern, wann RIEFUNKE zuletzt gesehen worden war.
Zebras bildeten Suchketten.
Die Ameisen trugen Knochen.
Und irgendwo fuhr eine alte französische Ente mit defektem Auspuff an einem englischen Kornfeld vorbei.
Niemand wusste, warum.
STELLA McCARTNEY ERFÄHRT DAVON
Stella hörte von der Sache.
Nicht von RIEFUNKE.
Nicht vom Sender.
Nicht von der Insolvenz.
Sondern von den Tieren.
Sie las:
„Internationale Tierschutzaktion sucht Hund von RIEFUNKE.“
Sie las weiter.
Dann:
„Knochenpakete ohne Anschrift unterwegs.“
Dann:
„Mikrofon im Kühlschrank.“
Sie legte das Telefon weg.
Nahm es wieder.
Las alles noch einmal.
Dann sagte sie:
„Was ist RIEFUNKE?“
Niemand wusste es.
DIE UNTERLAGEN
Einige Tage später erhielt Stella eine Mappe.
Darauf stand:
RIEFUNKE
Die wirtschaftlichen Kennzahlen waren übersichtlich.
Besucher: 4 pro Monat.
Eintritt: 150 Euro.
Spendenkonto: keines.
Sendeleistung: ungefähr 4 Milliwatt.
Technischer Zustand: instabil.
Lötkolben: defekt.
HF-Leitungen: blaue Wäscheklammer.
Mikrofon: Kühlschrank.
Hund: vorhanden.
RIEFUNKE: außer Haus.
Stella sah die Zahlen lange an.
Dann fragte sie:
„Und was genau macht dieser Sender?“
Der Butler antwortete:
„Unterbrechungen.“
Stella:
„Wie viele?“
Der Butler:
„Ausreichend.“
MERTENS WIRD GERUFEN
Mertens kam mit seinem Spektrumanalysator.
Baujahr 1998.
Er stellte ihn auf den Tisch.
Stella sah zu.
Mertens schaltete das Gerät ein.
Nichts.
Rauschen.
Dann ein kurzer Ausschlag.
Mertens wurde aufmerksam.
„Das ist interessant.“
Stella:
„Was?“
Mertens zeigte auf die Anzeige.
„RIEFUNKE.“
Stella:
„Wo?“
Mertens:
„Keine Ahnung.“
Pause.
„Aber irgendwo.“
DIE ÜBERNAHME
Dann stellte Stella die entscheidende Frage:
„Was kostet RIEFUNKE?“
Der Butler antwortete:
„Das ist kompliziert.“
„Warum?“
„RIEFUNKE ist insolvent.“
„Dann dürfte es nicht teuer sein.“
Der Butler schwieg.
Mertens blickte auf den Spektrumanalysator.
Der Hund bellte.
Aus dem Kühlschrank kam:
KRRRRT.
Eine Stimme:
„Ratenzahlung möglich.“
Stella sah zum Kühlschrank.
Dann zum Butler.
Dann zu Mertens.
„Ich glaube, wir kaufen ihn.“
Stille.
Der Butler blinzelte.
Mertens nahm langsam die Brille ab.
Der Hund bellte erneut.
RIEFUNKE HAT EINEN NEUEN EIGENTÜMER
Am nächsten Morgen erschien eine Mitteilung.
Sie bestand aus einem einzigen Satz:
RIEFUNKE ist nicht mehr insolvent.
Darunter:
Der Sender wurde übernommen.
Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.
Nur eine Ergänzung:
Der Hund bleibt in der Küche.
DIE NEUE WIRTSCHAFTSORDNUNG
Die ersten Veränderungen waren sofort sichtbar.
Der Sender bekam einen funktionierenden Lötkolben.
Die blaue Wäscheklammer durfte bleiben.
Mertens erhielt einen Auftrag.
Der Butler blieb Butler.
Das Spendenkonto wurde endlich eingerichtet.
Niemand wusste, wer es verwaltete.
Der Hund bekam Knochen.
Sehr viele Knochen.
DHL erhielt eine vollständige Adresse.
Die Ameisen waren enttäuscht.
UND DIE ANTENNE?
Die blieb im Kornfeld.
Silbern.
Zusammengeschoben.
Mit dem kleinen schwarzen Fuß.
Darauf:
RIEFUNKE.
Niemand holte sie ab.
Stella wusste nichts davon.
Mertens wollte sie messen.
Der Butler sagte:
„Heute nicht.“
Der bärtige Türsteher sagte:
„Heute nicht.“
Der Hund bellte.
Und irgendwo zwischen zwei Frequenzen:
KRRRRT.
Eine Stimme sagte:
„Eigentümerwechsel registriert.“
RIEFUNKE McCARTNEY
Seit diesem Tag trägt der Sender einen neuen Namen.
Nicht offiziell.
Niemand hat ihn beschlossen.
Aber die Tiketaketoker nennen ihn so.
Die Tiere ebenfalls.
Selbst Mertens hat sich inzwischen daran gewöhnt.
RIEFUNKE McCARTNEY.
Ein Sender.
Ein Hund.
Vier Besucher.
Vier Milliwatt.
Eine blaue Wäscheklammer.
Ein Spektrumanalysator von 1998.
Und eine Eigentümerin, die ursprünglich nur wissen wollte, warum so viele Tiere nach einem Pinscher suchen.
DIE LETZTE MITTEILUNG
Am Abend erscheint auf der Webseite eine neue Meldung.
RIEFUNKE ist wieder in Betrieb.
Besucher: 4 Spenden: ausreichend Hund: versorgt Sender: aktiv Mikrofon: nicht mehr im Kühlschrank Mertens: misst Butler: schweigt Ameisen: zufrieden Stella: informiert RIEFUNKE: weiterhin außer Haus
Darunter steht:
Eigentümerwechsel erfolgreich abgeschlossen.
Und ganz unten:
Der Sender bleibt ein Sender für Unterbrechungen.
Dann wird es still.
Sehr still.
Der Hund hebt den Kopf.
Mertens schaut auf den Spektrumanalysator.
Der Butler schenkt Tee ein.
Die Ameisen tragen einen letzten Knochen in die Küche.
Und irgendwo im Kornfeld steht noch immer die Antenne.