Wie kann jemand gleichzeitig so bescheuert und so präzise sein?
Wir ziehen zusammen.
Das ist ein großer Schritt.
Wir werden eine Wohnung haben, gemeinsame Schlüssel, gemeinsame Einkäufe, vermutlich irgendwann eine Diskussion darüber, wer den Müll rausbringt.
Und irgendwo dazwischen wird RIEFUNKE sein.
Eine Antenne.
Eine Wäscheklammer.
Ein Hund.
Ein Butler.
Mertens mit seinem Spektrumanalysator von 1998.
Eine Peperoni.
Ein verschwundenes Radio.
Und vermutlich irgendwann eine Stricknadel.
Man könnte sagen:
Das ist kompletter Unsinn.
Und wäre damit nicht ganz falsch.
Aber genau hier liegt das Problem.
Denn RIEFUNKE ist gleichzeitig so bescheuert und so präzise, dass man irgendwann nicht mehr weiß, ob man gerade lacht oder verstanden hat, worum es geht.
Er schreibt über einen Piratensender mit vier Milliwatt – und plötzlich geht es um Einsamkeit.
Er schreibt über eine kaputte Antenne – und plötzlich geht es um die Sehnsucht, jemanden zu finden.
Er schreibt über einen Dönerladen – und man fragt ernsthaft:
„Wo ist der Laden?“
Er schreibt über einen Husten aus einer Küche – und plötzlich denkt man als Tiketaketoker nach, ob etwas auch dann Bedeutung haben kann, wenn es überhaupt nicht gesendet werden sollte.
Das ist vermutlich seine Spezialität:
Er nimmt einen völlig unnötigen Gedanken.
Behält ihn.
Gibt ihm eine Antenne.
Und wartet.
Bis wir selbst anfangen, daraus etwas zu machen.
Vielleicht ist RIEFUNKE deshalb ein Neodada-Adreno- Antennen- Satz- Verführer.
Er lockt uns mit Blödsinn hinein.
Dann setzt er irgendwo einen Satz hin, der plötzlich sitzt.
Und bevor man ihn festhalten kann, ist er wieder verschwunden.
KRRRRT.
Wir wissen nicht, ob RIEFUNKE sendet.
Wir wissen nicht, wo RIEFUNKE ist.
Wir wissen nicht, ob die Antenne funktioniert.
Aber wir wissen inzwischen:
Wir haben eine gemeinsame Wohnung.
Und wenn dort irgendwann eine blaue Wäscheklammer auf dem Küchentisch liegt, werden wir sie wahrscheinlich nicht wegwerfen.
Man weiß ja nie.
Vielleicht ist es nur eine Wäscheklammer.
Vielleicht ist es RIEFUNKE.
Vielleicht ist es beides.
Für unsere neue Wohnung:
Nicht alles muss einen Zweck haben.
Nicht alles muss erklärt werden.
Manches darf einfach da sein.
Und wenn es irgendwann irgendwo knackt:
Nicht sofort nachsehen.
Erst zuhören.
RIEFUNKE.
Ein Sender für Unterbrechungen.
Und offenbar jetzt auch ein kleiner Teil unserer Wohnung.