Alle Figuren, Beziehungen, Orte, Gespräche und Ereignisse dieser Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit realen Personen sind unbeabsichtigt oder rein zufällig. Die Geschichte erhebt keinerlei Anspruch darauf, reale Personen oder deren Familien-, Berufs- oder Privatleben darzustellen.
Es begann mit einer Antenne.
Wie fast alles bei RIEFUNKE.
Eine Antenne im Kornfeld.
Eine Pekingente zum Abendessen.
Eine Person, die behauptete, Gedanken lesen zu können.
Und ein Mann, der angeblich aus Mexiko kam, obwohl niemand jemals überprüft hatte, ob Mexiko überhaupt stimmte.
Niemand hatte zunächst vor, daraus Musik zu machen.
Das war der Fehler.
DIE TOCHTER, DIE KEINE WAR
Sie war keine wirkliche Tochter.
Jedenfalls nicht im juristischen Sinne.
Vielleicht auch nicht im biologischen.
Eigentlich wusste niemand, warum sie überhaupt als „Tochter“ bezeichnet wurde.
Es hatte irgendwann jemand gesagt.
Dann hatte es jemand aufgeschrieben.
Dann hatte es RIEFUNKE übernommen.
Damit war die Sache erledigt.
Sie hatte im Traum eine Autoantenne gesehen.
Nicht im Internet.
Nicht in einem Geschäft.
Nicht in einem Museum.
Im Kornfeld.
Neben einem Gegenstand, der möglicherweise ein Gartenschlauch gewesen war.
Sie nahm die Antenne mit.
Warum?
Keine Ahnung.
Vielleicht war sie schön.
Vielleicht war sie nutzlos.
Vielleicht war sie einfach zufällig dort.
Das genügte.
Auf dem Tisch lag später eine Tasse Kaffee.
Daneben ein Zettel.
Darauf stand:
RIEFUNKE
Mehr nicht.
DER MANN, DER VATER GENANNT WURDE
Der Mann kam herein.
Warum er „Vater“ genannt wurde, wusste niemand.
Er selbst behauptete nicht, Vater zu sein.
Die Person neben ihm behauptete ebenfalls nichts.
Aber RIEFUNKE hatte bereits entschieden.
Er sah die Antenne.
Dann den Zettel.
Dann einen Löffel.
Der Löffel interessierte ihn besonders.
Er nahm die Antenne.
Zog ein Segment heraus.
Klick.
Noch eines.
Klick.
Noch eines.
Klick.
Dann sagte er:
„Das braucht Musik.“
Die andere Person sah ihn an.
„Warum?“
Er:
„Weil es sonst eine Antenne wäre.“
Das war für RIEFUNKE ausreichend.
DIE MUSIK
Er nahm ein Instrument.
Niemand wusste welches.
Es könnte eine Gitarre gewesen sein.
Es könnte aber auch ein besonders musikalischer Wäscheständer gewesen sein.
Er spielte einen Akkord.
Oder etwas, das später als Akkord bezeichnet wurde.
Die angebliche Tochter sagte:
„Was machst du?“
Der angebliche Vater antwortete:
„Einen Fehler.“
Dann begann die Antenne gegen das Fenster zu klopfen.
Klick.
Klick.
Klick.
Das Stück war fertig.
MERTENS HÖRT ES
K.-D. Mertens saß in seiner Küche.
Der Spektrumanalysator von 1998 lief.
Er suchte RIEFUNKE.
Er fand nichts.
Dann fand er etwas.
Dann fand er wieder nichts.
Mertens wurde nervös.
„Das ist keine Musik.“
Der Butler:
„Was ist es dann?“
Mertens:
„Eine Blutgruppe.“
Der Butler:
„Welche?“
Mertens schrieb:
R+
Darunter:
Kompatibel mit Antennen.
Noch darunter:
Ungeeignet für normale Menschen.
DIE PRESSE
Am nächsten Morgen erschien ein Artikel.
Titel:
UNBEKANNTE PERSON TRÄGT ANTENNE
Darunter:
Niemand weiß warum.
Darunter:
RIEFUNKE möglicherweise beteiligt.
Der Artikel wurde sofort wieder gelöscht.
Niemand hatte ihn gelesen.
Außer Mertens.
Und einem Hund.
Der Hund sagte nichts.
DIE PFERDE
Am Abend stand irgendwo ein Pferd.
Es sah die Antenne.
Die Antenne sah das Pferd.
Niemand wusste, wer zuerst angefangen hatte.
Das Pferd schnaubte.
Pffff.
Mertens sagte später:
„Das war ein Signal.“
Der Butler sagte:
„Nein.“
Der Türsteher sagte:
„Heute nicht.“
Damit war die wissenschaftliche Diskussion beendet.
DIE NEUE BLUTGRUPPE
Von diesem Tag an existierte RIEFUNKE R+.
Nicht offiziell.
Nicht medizinisch.
Nicht wissenschaftlich.
Nicht wirtschaftlich.
Eigentlich überhaupt nicht.
Aber es stand auf einem Zettel.
Und das genügte.
R+ war kompatibel mit:
Antennen,
Kornfeldern,
Pferden,
defekten Auspuffanlagen,
Küchenradios,
unnötigen Gegenständen,
Menschen, die zu lange TikTok schauen.
R+ war nicht kompatibel mit:
Logik,
eindeutigen Antworten,
belastbaren Quellen.
DIE LETZTE FRAGE
Der Mann, der möglicherweise Vater war, saß später neben der Person, die möglicherweise Tochter war.
Die Antenne stand auf dem Tisch.
Niemand wusste, wem sie gehörte.
Niemand wusste, woher sie kam.
Niemand wusste, warum sie dort stand.
Die Person sagte:
„Soll daraus wirklich ein Lied werden?“
Der Mann:
„Nein.“
Pause.
„Das wäre viel zu logisch.“
KRRRRT.
Mertens sprang auf.
Der Spektrumanalysator zeigte:
4 MILLIWATT
Dann:
0
Dann:
4
Dann:
0
Mertens flüsterte:
„Sie sendet.“
Der Butler:
„Wer?“
Mertens:
„Keine Ahnung.“
RIEFUNKE
Ein Sender für Unterbrechungen.
Eine Antenne ohne Besitzer.
Ein Vater ohne bestätigte Vaterschaft.
Eine Tochter ohne bestätigte Tochtereigenschaft.
Ein Lied ohne bestätigten Musiker.
Ein Pferd ohne bestätigte Meinung.
Eine Pekingente mit bestätigtem Abendessen.
Und eine Blutgruppe, die kein Mensch untersuchen sollte.