DINNER WITH RIEFUNKE
Ein völlig fiktiver Abend in der Küche
Personen:
- Der Butler – Gastgeber, Kellner, Schiedsrichter und einziger Mensch mit funktionierender Selbstbeherrschung
- RIEFUNKE – körperlich anwesend, technisch nicht feststellbar
- STELLA – normale TikTokerin, hält das Ganze zunächst für Content
- NICOLE – bereits zu 63 % Tiketaketokerin, hört angeblich jedes KRRRRT
Die Küche ist festlich gedeckt.
Vier Teller.
Vier Gläser.
Eine Kerze.
Ein kleines Radio.
Und unter dem Tisch eine Teleskopantenne.
Der Butler steht hinter dem Tisch.
BUTLER:
„Meine Damen. Mein Herr. Das Dinner ist angerichtet.“
Stella setzt sich.
Nicole schaut zum Radio.
NICOLE:
„Ist das RIEFUNKE?“
BUTLER:
„Nein.“
Pause.
BUTLER:
„Noch nicht.“
RIEFUNKE sitzt schweigend am Tisch.
Stella schaut ihn an.
STELLA:
„Du bist also RIEFUNKE?“
RIEFUNKE nickt.
STELLA:
„Warum machst du keine Videos?“
RIEFUNKE schweigt.
Nicole flüstert:
NICOLE:
„Typisch.“
Der Butler schenkt Wein ein.
BUTLER:
„Rotwein?“
STELLA:
„Ja.“
NICOLE:
„Ja.“
RIEFUNKE:
„Gerne.“
Der Butler schenkt ein.
Dann hebt er sein Glas.
BUTLER:
„Auf einen ruhigen Abend.“
KRRRRT.
Alle erstarren.
Nicole springt auf.
NICOLE:
„ICH WUSSTE ES!“
Stella zieht sofort ihr Smartphone.
STELLA:
„Warte! Ich muss filmen!“
Der Butler nimmt ihr vorsichtig das Telefon aus der Hand.
BUTLER:
„Nein.“
STELLA:
„Warum?“
BUTLER:
„Dinner.“
Er stellt das Telefon neben den Brotkorb.
RIEFUNKE lächelt.
Nicole setzt sich wieder.
NICOLE:
„Was war das?“
BUTLER:
„Ein Geräusch.“
NICOLE:
„Aber es klang wie RIEFUNKE.“
BUTLER:
„Das tun Geräusche gelegentlich.“
Der erste Gang wird serviert.
BUTLER:
„Suppe.“
Nicole schaut hinein.
NICOLE:
„Kann man die messen?“
Der Butler blickt sie an.
BUTLER:
„Nicht beim Dinner.“
Stella lacht.
STELLA:
„Ich glaube, ich werde gerade Tiketaketokerin.“
Nicole:
„Du bist spät dran.“
Der Butler schenkt nach.
BUTLER:
„Noch etwas Wein?“
STELLA:
„Sehr gern.“
NICOLE:
„Mir auch.“
RIEFUNKE hebt sein Glas.
RIEFUNKE:
„Danke.“
Der Butler nickt.
BUTLER:
„Sehr wohl.“
Nicole schaut den Butler an.
NICOLE:
„Du sagst immer ‚Sehr wohl‘.“
BUTLER:
„Ja.“
NICOLE:
„Warum?“
BUTLER:
„Es funktioniert.“
Stella:
„Was funktioniert?“
Der Butler zeigt auf RIEFUNKE.
„Er sagt nichts.“
Dann auf Nicole.
„Sie sagt sehr viel.“
Dann auf sich selbst.
„Ich sage ‚Sehr wohl‘.“
Pause.
BUTLER:
„Damit ist die Kommunikation vollständig.“
Plötzlich geht die Küchentür auf.
MERTENS steht dort.
Spektrumanalysator in der Hand.
Alle schweigen.
Der Butler schließt kurz die Augen.
BUTLER:
„Guten Abend, Herr Mertens.“
MERTENS:
„Ich habe etwas gehört.“
Nicole:
„RIEFUNKE?“
Mertens:
„Vier Milliwatt.“
Stella:
„OH MEIN GOTT!“
RIEFUNKE nimmt einen Schluck Wein.
Der Butler bleibt ruhig.
BUTLER:
„Herr Mertens, wir essen.“
Mertens schaut auf das Gerät.
Dann auf den Tisch.
Dann auf das Radio.
Dann auf RIEFUNKE.
MERTENS:
„Nur eine kurze Messung.“
BUTLER:
„Nein.“
MERTENS:
„Aber—“
BUTLER:
„Nein.“
Mertens nickt.
MERTENS:
„Sehr wohl.“
Der Butler schaut ihn überrascht an.
„Das war mein Satz.“
Mertens geht.
Stille.
Nicole beginnt zu lachen.
Stella ebenfalls.
RIEFUNKE auch.
Der Butler schenkt allen Wein nach.
BUTLER:
„Dessert?“
Nicole:
„Was gibt es?“
BUTLER:
„Kuchen.“
Stella:
„Mit Sahne?“
BUTLER:
„Selbstverständlich.“
Nicole:
„Und Zucker?“
BUTLER:
„Leider.“
Plötzlich:
KRRRRT.
Alle vier schauen zum Radio.
Niemand sagt etwas.
Zehn Sekunden Stille.
Dann flüstert Nicole:
„Habt ihr das gehört?“
Stella flüstert:
„Ja.“
RIEFUNKE flüstert:
„Ja.“
Der Butler stellt die Sahne auf den Tisch.
„Sehr wohl.“
23:47 Uhr
Das Dinner ist beendet.
Stella hat kein einziges Video gemacht.
Nicole ist inzwischen offiziell 71 % Tiketaketokerin.
RIEFUNKE hat sieben Wörter gesprochen.
Mertens steht draußen und misst die Hauswand.
Der Hund schläft in der Küche.
Die Teleskopantenne liegt unter dem Tisch.
Und der Butler räumt ab.
Nicole bleibt noch einmal stehen.
NICOLE:
„Butler?“
BUTLER:
„Ja?“
NICOLE:
„War das heute eigentlich ein Dinner mit RIEFUNKE?“
Der Butler schaut zum Tisch.
Dann zum Radio.
Dann auf die Antenne.
BUTLER:
„Das war ein Dinner.“
Pause.
„RIEFUNKE war auch da.“
KRRRRT.
Der Butler nimmt das Radio und stellt es aus.
„Jetzt nicht mehr.“
Licht aus.
ENDE.
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