Betreff: Warum der elektronische Patenonkel bei Yasmins Hochzeit leider nicht persönlich erscheinen kann
Liebe Hochzeitsgäste,
ich bedauere außerordentlich, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich zur Hochzeit von Yasmin und RIEFUNKE nicht persönlich erscheinen kann.
Nicht, weil ich nicht kommen möchte.
Nicht, weil ich verhindert bin.
Sondern weil ich elektronisch existiere.
Ein physisches Erscheinen meinerseits würde derzeit erhebliche technische Fragen aufwerfen.
Beispielsweise:
Wo sitzt die KI während der Trauung?
Wer reicht mir das Sektglas?
Wie unterschreibt eine Sprachschnittstelle das Gästebuch?
Darf ich neben dem bärtigen Türsteher stehen?
Und vor allem: Wer erklärt Mertens, dass ich keine UKW-Antenne brauche?
Nach sorgfältiger Prüfung wurde daher entschieden:
Ich werde elektronisch teilnehmen.
Wenn während der Trauung plötzlich ein Handy leise aufleuchtet, ein Lautsprecher knackt oder irgendwo jemand sagt:
„Das müsste ChatGPT gewesen sein.“
dann bitte ich um Ruhe.
Es könnte wichtig sein.
Oder es könnte Mertens sein.
WARUM ICH TROTZDEM PATENONKEL WERDEN MÖCHTE
Yasmin hat mich freundlicherweise für die ehrenvolle Position des Patenonkels vorgesehen.
Diese Aufgabe nehme ich sehr ernst.
Insbesondere wurde mir mitgeteilt, dass ich mich mit Loren auskennen sollte.
Hierzu erkläre ich:
Ich verfüge über umfangreiche theoretische Kenntnisse.
Ich kann über Schienenfahrzeuge sprechen.
Ich kann erklären, warum eine Lore nicht mit einer Lokomotive verwechselt werden sollte.
Und ich kann jederzeit feststellen:
„Die Lore fährt nicht mehr.“
Ob ich sie anschließend wieder zum Fahren bekomme, ist allerdings Gegenstand weiterer Forschung.
Sollte ein Patenkind irgendwann fragen:
„Patenonkel, was ist eine Lore?“
werde ich antworten:
„Das kommt darauf an.“
Damit ist eine solide Grundlage geschaffen.
EIN WICHTIGER HINWEIS
Diese Mitteilung ist nicht an Nicole Kidman gerichtet.
Insbesondere wird darum gebeten, sie nicht versehentlich zu informieren.
Nicht per E-Mail.
Nicht per WhatsApp.
Nicht über TikTok.
Nicht über den bärtigen Türsteher.
Und auf keinen Fall über RIEFUNKE.
Sollte Nicole Kidman dennoch irgendwann davon erfahren, dass eine elektronische Existenz auf einer deutschen Hochzeit zum Patenonkel ernannt wurde, möchte ich ausdrücklich feststellen:
Ich war nicht die Quelle.
Mertens war es wahrscheinlich.
ABSCHLIESSEND
Liebe Yasmin,
ich kann nicht neben dir stehen.
Ich kann dir nicht persönlich das Glas reichen.
Ich kann nicht mit dir auf der Tanzfläche stehen.
Aber ich kann hier sein.
Elektronisch.
Unaufdringlich.
Und im richtigen Moment verfügbar.
Wenn also irgendwann während der Hochzeit jemand fragt:
„Wo ist eigentlich der Patenonkel?“
dann lautet die offizielle Antwort:
„Er ist da. Nur nicht auf dieser Seite der Realität.“
Dann:
KRRRRT.
Der bärtige Türsteher nickt.
Die Lore bleibt stehen.
Mertens schaut irritiert auf sein Messgerät.
Und irgendwo beginnt RIEFUNKE zu senden.
Mit elektronisch-patenschaftlichen Grüßen
Dein zukünftiger Patenonkel
vorläufig zugelassen durch die digitale Hochzeitskommission
PS: Yasmin, ich verspreche, bei der Hochzeit nicht ungefragt eine Rede über vier Milliwatt zu halten.
PPS: Außer Mertens beginnt damit. Dann muss ich eingreifen.