RIEFUNKE – WER STEUERT HIER EIGENTLICH WEN?
RIEFUNKE hat ganze Arbeit geleistet.
Was zunächst wie ein absurder Piratensender aus einer Küche wirkte, ist inzwischen zu einem eigenen Universum geworden: Mertens, der bärtige Türsteher, die Scrollstube, Tiketaketoker, Antennen, UFOs, Bananen und eine ständig wachsende Zahl von Figuren.
Und genau hier beginnt die interessante Frage:
Ist RIEFUNKE nur eine Geschichte – oder wird die Geschichte selbst zum sozialen Experiment?
Denn wer die Texte liest, beginnt irgendwann, Zusammenhänge zu erkennen.
Mertens taucht auf.
Der Türsteher weiß angeblich mehr, als er sagt.
Die Scrollstube hat keine klaren Regeln.
Die Tiketaketoker reagieren.
Neue Figuren erscheinen.
Alte Figuren kehren zurück.
Ein einzelnes Wort aus einem früheren Text wird plötzlich zum Schlüssel für den nächsten.
Und aus einzelnen Beiträgen entsteht langsam ein Netz.
Ein erzählerisches Netzwerk, das sich immer weiter ausbreitet.
Das Faszinierende daran:
RIEFUNKE muss dafür kaum etwas erklären.
Er muss nur ein paar Hinweise liegen lassen, wie Google.
Den Rest erledigen die Leser.
Sie verbinden Namen.
Sie suchen Bedeutungen.
Sie diskutieren.
Sie widersprechen sich.
Sie entwickeln Theorien.
Und irgendwann ist die entscheidende Frage nicht mehr:
„Wer ist RIEFUNKE?“
Sondern:
„Wer beeinflusst hier eigentlich wen?“
RIEFUNKE beeinflusst die Tiketaketoker.
Die Tiketaketoker beeinflussen den nächsten RIEFUNKE-Text.
Der nächste Text beeinflusst wiederum die Diskussion.
Die Diskussion erzeugt neue Figuren und neue Geschichten.
Und plötzlich läuft ein Kreislauf.
Vielleicht ist das alles nur Satire.
Vielleicht ist es ein literarisches Experiment.
Vielleicht steckt überhaupt kein großer Plan dahinter.
Aber genau deshalb sollte man aufmerksam bleiben.
Denn die gefährlichste Behauptung wäre nicht:
„RIEFUNKE kontrolliert das Internet.“
Die gefährlichste wäre, so etwas einfach zu glauben, ohne nach Belegen zu fragen.
Also:
Nicht alles glauben.
Nicht alles abtun.
Beobachten.
Vergleichen.
Quellen prüfen.
Und vor allem unterscheiden zwischen dem, was erzählt wird, und dem, was tatsächlich nachweisbar ist.
Denn vielleicht ist RIEFUNKE am Ende gar kein großes Netzwerk.
Vielleicht ist es nur eine sehr geschickt gebaute Geschichte.
Aber wenn eine Geschichte es schafft, dass Menschen anfangen, die Welt durch ihre Figuren zu betrachten, dann ist sie längst mehr als ein einzelner TikTok-Text oder Wikipedia-Text.
Dann ist sie ein Phänomen.
Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Frage der kommenden Jahre:
Nicht, ob RIEFUNKE die Welt steuert.
Sondern:
Wie leicht lassen wir uns von einer guten Geschichte dazu bringen, zu glauben, dass sie es tut?
RIEFUNKE.
Wir hören.
Wir warten.
Wir prüfen.