RIEFUNKE – MEDIZINISCHE SONDERMELDUNG
Die Tiketaketokerisierung des TikTokers
Fachgebiet: RIEFUNKE-Medizin
Krankheitsbild: fortschreitende Tiketaketokerisierung
Betroffene: zunächst normale TikToker
Behandelnder: niemand
Diagnosegerät: Spektrumanalysator Baujahr 1998
Es beginnt meistens harmlos.
Der Patient schaut ein TikTok.
Nur eines.
Dann noch eines.
Dann stößt er auf RIEFUNKE.
Zunächst reagiert er normal.
„Was ist das?“
Das ist das erste Stadium.
STADIUM I – DIE FRAGE
Der TikToker beginnt Fragen zu stellen.
„Wer ist RIEFUNKE?“
„Wo ist RIEFUNKE?“
„Warum gibt es eine Antenne?“
„Warum gibt es einen Butler?“
„Warum misst Mertens vier Milliwatt?“
Noch besteht Hoffnung.
Der Patient kann jederzeit gerettet werden.
Theoretisch.
STADIUM II – DAS ERSTE KRRRRT
Der Patient hört ein Geräusch.
KRRRRT.
Er schaut zum Radio.
„War das gerade RIEFUNKE?“
Die Umgebung verneint.
Der Patient glaubt es nicht.
Er beginnt, Kühlschränke zu beobachten.
Das ist medizinisch relevant.
STADIUM III – MERTENS
Der Patient entwickelt plötzlich Interesse an Messtechnik.
Er googelt Spektrumanalysatoren.
Er weiß plötzlich, dass Mertens' Gerät Baujahr 1998 ist.
Er fragt:
„Sind vier Milliwatt eigentlich viel?“
Hier sollte dringend eine Behandlung eingeleitet werden.
Leider ist der Patient inzwischen schwer erreichbar.
Er misst bereits den Toaster.
STADIUM IV – DIE ANTENNE
Der TikToker erkennt Antennen.
Überall.
Auf Dächern.
An Autos.
Neben Häusern.
Auf dem Küchentisch.
Einmal sogar auf einem Foto von einem Gartenstuhl.
Der Patient sagt:
„Interessant.“
Das ist ein Warnsignal.
Denn „Interessant“ ist ursprünglich das Wort von Mertens.
STADIUM V – DIE TIKETAKETOKERISIERUNG
Jetzt beginnt die eigentliche Erkrankung.
Der Patient hört auf, TikToker zu sein.
Er wird Tiketaketoker.
Er sucht nicht mehr nach Likes.
Er sucht nach RIEFUNKE.
Er fragt nicht mehr:
„Was soll ich posten?“
Sondern:
„Hast du das gerade gehört?“
KRRRRT.
„JA.“
STADIUM VI – VOLLSTÄNDIGE UMSTELLUNG
Der Patient entwickelt folgende Symptome:
- spontane Suche nach Antennen
- übermäßiges Hören von Kühlschrankgeräuschen
- Interesse an Röhrenradios
- unkontrolliertes Erwähnen von Mertens
- Verdacht auf sendendes Essen
- Messung von Sauerbraten
- Beobachtung von Kartoffelpüree
- Kontaktaufnahme mit einem bärtigen Türsteher
- Verwendung des Wortes „RIEFUNKE“ ohne erkennbaren Anlass
Besonders gefährlich:
Der Patient beginnt, andere TikToker zu behandeln.
„Du bist noch nicht so weit.“
„Was?“
„Du hast das KRRRRT noch nicht gehört.“
DIE DIAGNOSE
Mertens wird gerufen.
Er erscheint mit seinem Spektrumanalysator.
Er untersucht den Patienten.
Rauschen.
Kurze Pause.
KRRRRT.
Mertens wird ernst.
„Fortgeschritten.“
Der Butler fragt:
„Kann man noch etwas tun?“
Mertens:
„Möglicherweise.“
„Was?“
Mertens schaut auf das Gerät.
„Vier Milliwatt Abstand von TikTok.“
Der Butler nickt.
„Und wie lange?“
Mertens:
„Mindestens 24 Stunden.“
Aus dem Hintergrund:
„ICH HABE RIEFUNKE GEHÖRT!“
Mertens schließt die Augen.
„Zu spät.“
DIE LETZTE PHASE
Der vollständig tiketaketokerisierte TikToker sitzt schließlich ruhig vor einem Radio.
Kein Smartphone.
Kein Ringlicht.
Keine Kamera.
Keine Musik.
Nur Stille.
Der Butler bringt Tee.
„Zucker?“
Der Patient schüttelt den Kopf.
„Nein.“
Pause.
„Ich warte.“
Der Butler:
„Worauf?“
Der Patient schaut zum Radio.
„Auf das nächste Knacken.“
KRRRRT.
Der Patient lächelt.
„Da.“
PROGNOSE
Eine Heilung ist derzeit nicht bekannt.
Die gute Nachricht:
Der Patient fühlt sich offenbar wohl.
Die schlechte Nachricht:
Er hat inzwischen drei weitere TikToker angesteckt.
Diese befinden sich bereits in der Scrollstube.
Der bärtige Türsteher führt Einlasskontrolle durch.
Mertens misst.
Der Butler schweigt.
Der Hund schläft.
Und RIEFUNKE?
RIEFUNKE sendet möglicherweise gar nicht.
Aber das spielt inzwischen keine Rolle mehr.
Denn die Tiketaketoker hören trotzdem.
MEDIZINISCHER ENDBEFUND:
TikTokerisierung abgeschlossen.
Tiketaketokerisierung fortgeschritten.
Rückkehr zum normalen TikTok-Verhalten derzeit unwahrscheinlich.
KRRRRT.
Behandlung beendet.
Der Patient:
„Wann ist meine nächste Kontrolle?“
Der Butler:
„Wenn Sie wieder etwas hören.“
„Und wann ist das?“
Der Butler schaut zum Radio.
„Bei RIEFUNKE weiß man das nie.“
RIEFUNKE.
Wir hören.
Wir warten.
Wir prüfen.
Und wir diagnostizieren besser erst morgen weiter.
|