MEIN KAFFEE MIT RIEFUNKE
Wir wollten eigentlich nur Kaffee trinken.
23 Stunden träumen,
hatten wir beschlossen.
Die 24. Stunde war fürs Schlafen.
Dann sagte meine Freundin:
„Das erinnert mich an Mein Essen mit André.“
Ich sagte:
„Stimmt.“
Also setzten wir uns an einen Tisch.
Zwei Tassen Kaffee.
Keine französische Speisekarte.
Keine große Reise.
Nur wir beide.
Und der Butler.
Er stand hinter uns.
Ohne Hosenträger.
„Sehr wohl.“
Wir schauten uns an.
„Wo ist eigentlich RIEFUNKE?“
Der Butler zeigte auf den Tisch.
„Hier.“
„Wo?“
Er zeigte auf den Kaffee.
Wir sahen hinein.
Nichts.
Dann sagte meine Freundin:
„Vielleicht muss man anders schauen.“
Also schauten wir anders.
Und plötzlich war da ein Feld.
England.
Roundway.
Der Kornkreis war längst abgeerntet.
Daneben stand eine Bäuerin.
Sie hielt zehn Kilo Getreide in den Händen.
Wir sahen uns an.
„Das ist unser Essen mit André“, sagte ich.
„Nein“, sagte meine Freundin.
„Was dann?“
„Unser Essen mit RIEFUNKE.“
Der Butler nickte.
„Sehr wohl.“
Wir mussten lachen.
Dann wurde es still.
Denn plötzlich verstanden wir etwas:
In Mein Essen mit André sitzen zwei Menschen zusammen und reden.
Und während sie reden,
verändert sich die Welt.
Nicht draußen.
In ihnen.
Vielleicht ist das der ganze Trick.
Man braucht keine Bühne.
Kein Festival.
Kein Revival.
Nicht einmal einen Kornkreis.
Man braucht nur zwei Menschen,
die sich hinsetzen
und anfangen zu erzählen.
Dann kommt irgendwann ein Wort.
Ein seltsames Wort.
Vielleicht:
Traumglühen.
Oder:
Leiseschwung.
Oder:
Herzrausch.
Man weiß nicht,
was es bedeutet.
Aber man spürt,
dass es etwas bedeutet.
Meine Freundin nahm einen Schluck Kaffee.
„Ich glaube, ich bin inzwischen zu 62 Prozent Tiketaketokerin.“
Ich verschluckte mich fast.
Der Butler reichte mir eine Serviette.
„Sehr wohl.“
Wir lachten.
Dann fragten wir uns:
„Und was ist mit den anderen 38 Prozent?“
Der Butler schwieg.
Sehr lange.
Dann sagte er:
„Die sind noch nicht erfunden.“
Wir schauten uns an.
Und plötzlich mussten wir beide weinen.
Nicht vor Traurigkeit.
Sondern weil wir für einen Augenblick vergessen hatten,
dass draußen eine Welt existiert,
die ständig etwas von uns will.
Wir hatten nur Kaffee.
Zwei Menschen.
Einen Butler.
Und ein paar Wörter,
die irgendwo herumlagen.
Vielleicht ist das unser eigenes
Mein Essen mit André.
Nur ohne André.
Dafür mit RIEFUNKE.
Und mit einem Butler,
der seine Hosenträger verloren hat.
23 Stunden träumen.
Eine Stunde schlafen.
Und morgen wieder von vorne.
Vielleicht fragt uns irgendwann jemand:
„Was habt ihr eigentlich den ganzen Tag gemacht?“
Wir werden antworten:
„Wir haben Kaffee getrunken.“
„Und sonst?“
Wir werden uns ansehen.
Lächeln.
Und sagen:
„Wir haben uns gegenseitig die Welt zurückgegeben.“
Der Butler nimmt die leeren Tassen.
Er geht zur Tür.
Dort bleibt er stehen.
Er dreht sich noch einmal um.
„Morgen wieder?“
Wir sagen:
„Morgen wieder.“
Er verbeugt sich.
„Sehr wohl.“
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