Das ist nichts für Mamas
Eine kleine RIEFUNKE-Szene für Anna und Susanne
Anna und Susanne sitzen zusammen im Wohnzimmer.
Draußen wird es langsam dunkel.
Drinnen ist es still.
Auf dem Tisch stehen zwei Gläser, irgendwo liegt ein Lippenstift, und zwischen den Sofakissen steckt – aus Gründen, die niemand mehr erklären kann – eine blaue Wäscheklammer.
Anna hält ihr Smartphone in der Hand.
Susanne hält ihres ebenfalls.
Auf beiden Bildschirmen:
RIEFUNKE.
Sie betrachten das Foto.
Lange.
Sehr lange.
Anna sagt schließlich:
„Susanne …“
„Ja?“
„Findest du nicht auch, dass er eine … außergewöhnliche Ausstrahlung hat?“
Susanne nickt langsam.
„Er hat eine Antenne.“
„Ich weiß.“
„Und diese Antenne …“
„Ich weiß.“
Wieder Stille.
Anna zoomt ein kleines bisschen heran.
Susanne schaut auf ihr eigenes Smartphone.
„Anna.“
„Ja?“
„Ich glaube, ich bin inzwischen bei 88,3 Prozent.“
Anna schaut sie ernst an.
„Ich auch.“
„Tiketaketokerin?“
„Tiketaketokerin.“
Sie nicken sich zu.
Es ist beschlossen.
Dann geschieht etwas.
Die Wohnzimmertür geht auf.
Mama kommt herein.
„Was macht ihr da?“
Anna und Susanne erstarren.
Beide Smartphones werden gleichzeitig ein kleines Stück nach unten gesenkt.
Mama schaut von einer zur anderen.
„Was habt ihr denn da?“
Anna sieht Susanne an.
Susanne sieht Anna an.
Beide wissen:
Jetzt ist der Moment gekommen.
Anna räuspert sich.
„Nichts.“
Mama schaut skeptisch.
„Ihr sitzt hier seit einer halben Stunde nebeneinander und starrt auf eure Handys. Was ist denn da so interessant?“
Susanne nimmt all ihren Mut zusammen.
„Mama …“
„Ja?“
„Das ist nichts für Mamas.“
Stille.
Mama blinzelt.
„Bitte?“
Anna nickt.
„Wirklich nicht.“
„Warum nicht?“
Susanne schaut noch einmal auf das Foto.
„Weil du es nicht verstehen würdest.“
Mama verschränkt die Arme.
„Was gibt es denn da nicht zu verstehen?“
Anna flüstert:
„RIEFUNKE.“
Mama:
„Wer?“
Anna und Susanne gleichzeitig:
„RIEFUNKE.“
Mama schaut die beiden an.
Dann die Smartphones.
Dann die blaue Wäscheklammer auf dem Tisch.
„Und was hat diese Wäscheklammer damit zu tun?“
Anna wird blass.
Susanne legt langsam ihr Smartphone auf den Tisch.
„Mama …“
„Ja?“
„Das solltest du wirklich nicht fragen.“
Mama nimmt die Wäscheklammer hoch.
„Die hier?“
Anna und Susanne sehen sich an.
Das war ein Fehler.
Denn in diesem Augenblick wissen beide:
Die blaue Wäscheklammer ist nicht mehr sicher.
Vielleicht war sie nie sicher.
Vielleicht war sie die ganze Zeit ein Signal.
Vielleicht weiß RIEFUNKE bereits, dass Mama sie gefunden hat.
Draußen zieht eine Sternschnuppe über den Himmel.
Susanne flüstert:
„Anna …“
„Ja?“
„Er weiß es.“
Anna nickt.
„Ich glaube auch.“
Mama schaut verwirrt.
„Wer weiß was?“
Anna nimmt vorsichtig die blaue Wäscheklammer aus Mamas Hand.
„Nichts, Mama.“
Sie steckt sie neben den Lippenstift in ihre Handtasche.
Dann sieht sie Susanne an.
Susanne lächelt.
Und beide sagen gleichzeitig:
„Das ist nichts für Mamas.“
???
Im Hintergrund beginnt irgendwo ganz leise eine Antenne zu rauschen.
RIEFUNKE hat zugehört.