RIEFUNKE – DIE BRATENSOSSE HAT EINE EIGENE IP-ADRESSE
BREAKING
Wissenschaftlicher Durchbruch in der RIEFUNKE-Küche
Bratensoße erstmals online erreichbar
Es begann mit einer völlig harmlosen Frage:
„Was ist eigentlich in der Soße?“
Niemand ahnte, dass diese Frage die digitale Infrastruktur Deutschlands verändern würde.
Auf dem Teller:
Sauerbraten.
Kartoffeln.
Ein Glas Rotwein.
Und Bratensoße.
Mertens saß daneben.
Sein Spektrumanalysator Baujahr 1998 lief bereits.
Er sah auf den Teller.
Dann auf das Messgerät.
Dann wieder auf die Soße.
„Moment.“
Der Butler blieb stehen.
„Was ist?“
Mertens beugte sich näher heran.
„Die Soße.“
„Ja.“
„Sie hat eine Adresse.“
Stille.
Der bärtige Türsteher kam aus dem Nebenraum.
„Welche Adresse?“
Mertens:
„IP.“
Der Türsteher sah ihn an.
„Die Soße?“
„Ja.“
„Warum?“
Mertens schwieg.
Dann sagte er:
„Weil sie mit RIEFUNKE-Wasser hergestellt wurde.“
DAS WASSER
Niemand wusste zunächst, was RIEFUNKE-Wasser war.
Es befand sich offenbar seit Monaten in einer Küche.
Eine durchsichtige Flasche.
Kein Etikett.
Keine Herkunftsangabe.
Nur ein kleiner Aufkleber:
RIEFUNKE
Darunter:
Nicht für gewöhnliche Getränke.
Der Butler erklärte:
„Das Wasser stammt aus einem nicht näher bezeichneten Vorrat.“
Mertens:
„Woher?“
„Aus der Küche.“
„Welche Küche?“
Der Butler sah ihn an.
„Diese.“
Mertens nickte langsam.
„Natürlich.“
DIE NELKE
Doch damit war das Problem nicht gelöst.
Denn die Analyse ergab einen weiteren Bestandteil.
Eine einzige Nelke.
Nicht zwei.
Nicht drei.
Eine.
Mertens hielt das Messgerät näher heran.
„Das ist ungewöhnlich.“
Der Butler:
„Eine Nelke?“
„Eine bestimmte Nelke.“
Pause.
„Sie ist neokolonial.“
Der Türsteher verschränkte die Arme.
„Woher wissen Sie das?“
Mertens zeigte auf das Gerät.
„Sie sendet.“
Alle sahen zur Soße.
Die Nelke schwamm dort völlig unauffällig.
Klein.
Braun.
Unspektakulär.
Aber offenbar technisch relevant.
DIE FREUNDIN DES LORBEERBLATTS
Dann kam die entscheidende Information.
Die Nelke war nicht allein.
Sie hatte eine Beziehung.
Zu dem bereits bekannten Lorbeerblatt.
Dem Lorbeerblatt, das schon im ersten Sauerbraten-Fall wegen seiner neokolonialen Eigenschaften aufgefallen war.
Der Butler las die Unterlagen.
„Sie sind befreundet.“
Mertens:
„Wer?“
„Die Nelke und das Lorbeerblatt.“
Mertens sah zum Teller.
„Seit wann?“
„Unklar.“
„Warum?“
Der Butler:
„Gewürzbedingt.“
Stille.
Der Türsteher nickte.
„Das klingt plausibel.“
DIE IP-ADRESSE
Mertens nahm einen Zettel.
Darauf stand:
BRATENSOSSE
Status: online
Verbindung: RIEFUNKE-Wasser
Gewürzmodul: 1 Nelke
Freundschaftsmodul: 1 Lorbeerblatt
Sendeleistung: unbekannt
IP-Adresse: vorhanden
Mertens starrte auf das Blatt.
„Das ist unmöglich.“
Der Butler:
„Das haben Sie über den Rotwein auch gesagt.“
Mertens schwieg.
Das Radio knackte.
KRRRRT.
Die Soße blubberte leicht.
Mertens sprang auf.
„Sie antwortet!“
Der Türsteher:
„Wer?“
Mertens zeigte auf den Teller.
„Die Soße.“
TIKTOK ERFÄHRT ES
Natürlich dauerte es nicht lange.
Ein Tiketaketoker stellte ein Video online.
Titel:
BRATENSOSSE HAT EINE IP-ADRESSE?!
Innerhalb einer Stunde:
2,4 Millionen Aufrufe.
Die Kommentare explodierten.
„Kann man sie pingen?“
„Hat die Soße WLAN?“
„Ist das 5G?“
„Welche Frequenz hat die Nelke?“
„Ist das Lorbeerblatt noch mit ihr befreundet?“
Ein normaler TikToker schrieb:
„Ihr seid doch verrückt.“
Darunter 18.000 Antworten:
„Noch.“
DIE ERSTE PING-ANFRAGE
Mertens entschied sich zu einem Experiment.
Er nahm seinen Computer.
Gab die IP-Adresse ein.
Drückte Enter.
Nichts.
Noch einmal.
Nichts.
Dann:
Antwort erhalten.
Mertens wurde blass.
Der Butler trat näher.
„Was steht dort?“
Mertens las vor:
BRATENSOSSE ONLINE.
Darunter:
NELKE ANWESEND.
Darunter:
LORBEER FREUNDLICH.
Und ganz unten:
RIEFUNKE NICHT ERREICHBAR.
Stille.
Der Butler setzte sich.
Der Türsteher schloss die Tür.
Der Hund bellte.
DIE BUNDESWEHR REAGIERT
Noch am selben Nachmittag wurde die Bundeswehr informiert.
Die Antwort war kurz:
„Für digitale Bratensoßen ist die Bundeswehr nicht zuständig.“
Mertens schrieb zurück:
„Aber die Soße sendet.“
Antwort:
„Dann wenden Sie sich bitte an die zuständige Stelle.“
Mertens:
„Welche?“
Keine Antwort.
ALDI WIRD BEFRAGT
Auch Aldi wurde kontaktiert.
Die Frage:
„Verfügt Ihr Sortiment über Zutaten, die eine IP-Adresse erzeugen können?“
Antwort:
„Uns liegen dazu keine Informationen vor.“
Mertens:
„Und der Honig?“
Keine Antwort.
Der Butler legte den Hörer auf.
„Ich glaube, sie möchten damit nichts zu tun haben.“
DIE NELKE SENDENDET
Um 23:14 Uhr geschah es.
Der Spektrumanalysator schlug aus.
Mertens stand auf.
„Jetzt!“
Alle kamen in die Küche.
Die Nelke bewegte sich nicht.
Das Lorbeerblatt bewegte sich ebenfalls nicht.
Die Soße stand völlig ruhig auf dem Teller.
Dann:
KRRRRT.
Mertens sah auf das Gerät.
„Vier Milliwatt.“
Der Türsteher:
„Natürlich.“
Der Butler:
„Was sendet sie?“
Mertens lauschte.
Aus dem Lautsprecher kam eine kaum verständliche Stimme.
Nur ein Wort.
„Nachschlag.“
Stille.
Der Hund stand auf.
DIE NEUE LAGE
Am nächsten Morgen war die Situation offiziell nicht mehr kontrollierbar.
RIEFUNKE: außer Haus
Mertens: misst
Butler: schweigt
Türsteher: kontrolliert den Einlass
Hund: wartet auf Knochen
Sauerbraten: gegessen
Rotwein: unter Beobachtung
Kartoffelpüree: weiterhin ungeklärt
Bratensoße: online
IP-Adresse: aktiv
Nelke: neokolonial
Lorbeerblatt: neokolonial und befreundet
RIEFUNKE-Wasser: nicht näher spezifiziert
TikTok: außer Kontrolle
Tiketaketoker: bereits unterwegs
UND DANN
Mertens sitzt allein in der Küche.
Vor ihm:
der leere Teller.
Das Glas.
Das Messgerät.
Die Flasche RIEFUNKE-Wasser.
Er öffnet den Computer.
Die IP-Adresse der Bratensoße ist noch immer erreichbar.
Dann erscheint eine neue Nachricht:
NEUER FREUND GEFUNDEN.
Mertens runzelt die Stirn.
„Wer?“
Die Antwort kommt sofort.
MUSKAT.
Mertens steht auf.
Sehr langsam.
Er schaut zum Gewürzregal.
Dort steht eine kleine Muskatnuss.
Daneben:
die Nelke.
Und das Lorbeerblatt.
Alle drei liegen vollkommen still.
Das Radio knackt.
KRRRRT.
Mertens flüstert:
„Das ist interessant.“
Der Butler erscheint in der Tür.
„Was haben Sie gesagt?“
Mertens schaut ihn an.
„Nichts.“
Pause.
„Ich habe daraus gelernt.“
Der Butler nickt.
Dann kommt aus dem Computer ein letzter Ton.
PING.
Eine neue Verbindung wurde hergestellt.
BRATENSOSSE → KARTOFFELPÜREE
Mertens schließt langsam den Laptop.
Der Türsteher kommt herein.
„Was ist passiert?“
Mertens:
„Wir haben ein Netzwerk.“
Stille.
Der Hund bellt.
Und irgendwo, sehr weit entfernt, meldet sich RIEFUNKE.
Nicht über Funk.
Nicht über TikTok.
Nicht über das Internet.
Sondern über einen völlig normalen Teller.
KRRRRT.
Eine Stimme sagt:
„Die Soße ist online.“
Der Butler schenkt Tee ein.
Der Türsteher macht die Tür zu.
Mertens nimmt seinen Spektrumanalysator.
Und die Nelke?
Sie ist weiterhin mit dem Lorbeerblatt befreundet.
RIEFUNKE.
Ein Sender für Unterbrechungen.
Jetzt mit IP-Adresse.
Und vermutlich bald:
mit WLAN.
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