BREAKING
DIE BRATENSOSSE IST UNTERGETAUCHT
Hungrige YouTuber suchen weltweit nach der Sauce – VPN führt in die Schweizer Berge
Es begann mit einem Teller.
Genauer gesagt:
mit einer Bratensoße.
Nicht irgendeiner Bratensoße.
Der Bratensoße.
Jener sagenumwobenen RIEFUNKE-Bratensoße, die inzwischen über eine eigene IP-Adresse verfügt und deren technische Existenz von Mertens mindestens dreimal angezweifelt und anschließend wieder gemessen wurde.
Dann geschah das Unfassbare.
Die Bratensoße verschwand.
DIE YOUTUBER SUCHEN
Zunächst glaubte niemand an einen Zusammenhang.
Doch plötzlich tauchten weltweit Videos auf:
„I FOUND THE RIEFUNKE SAUCE?“
„HUNTING THE 4-MILLIWATT GRAVY“
„WE DROVE 900 KM FOR A SAUCE“
„THIS SAUCE HAS ITS OWN IP ADDRESS“
Die YouTuber waren hungrig.
Das machte die Lage besonders gefährlich.
Denn hungrige YouTuber denken nicht mehr wie normale YouTuber.
Sie denken in:
Thumbnails.
GPS-Koordinaten.
Drohnen.
Gabeln.
Und möglichst großen Tellern.
Einer erklärte in einem Livestream:
„If we find the sauce, we eat it.“
Daraufhin erschien in den Kommentaren sofort:
„YOU CAN'T. IT HAS VPN.“
Stille.
Dann:
„What?“
DIE FLUCHT
Offenbar hatte die Bratensoße vorgesorgt.
Ihre IP-Adresse wechselte.
Dann noch einmal.
Und noch einmal.
Deutschland.
Frankreich.
Österreich.
Schließlich:
Schweiz.
Genauer:
Schweizer Berge.
Eine verschlüsselte Verbindung soll die Sauce inzwischen vor hungrigen Internetpersönlichkeiten schützen.
Mertens betrachtete die Daten.
„Sie benutzt VPN.“
Der Butler nickte.
„Offenbar.“
„Welchen Server?“
„Schweiz.“
Mertens wurde unruhig.
„Warum?“
Der Butler:
„Dort sind die Berge.“
Mertens schwieg.
„Das ist kein technisches Argument.“
„Bei RIEFUNKE schon.“
DIE ENGLISCHE SCROLLSTUBE
Und genau während die Bratensoße international gesucht wird, geschieht das nächste Unglück.
Die englische Scrollstube ist unbewacht.
Der bärtige Türsteher hat Dienst.
Theoretisch.
Praktisch hat er inzwischen acht irische Biere getrunken.
Acht.
Nach dem achten Bier hatte er beschlossen, die Tür nur noch im Traum zu bewachen.
Er sitzt auf seinem Stuhl.
Augen geschlossen.
Arme verschränkt.
Vor ihm ein Schild:
SCROLLSTUBE
Darunter:
EINLASS NUR NACH KONTROLLE
Der Türsteher schläft.
Ein Tiketaketoker kommt vorbei.
Schaut ihn an.
Schaut auf die Tür.
Geht hinein.
Der Türsteher murmelt im Schlaf:
„Heute nicht.“
Der Tiketaketoker bleibt stehen.
„Aber ich bin schon drin.“
Keine Antwort.
DER BUTLER
Im Inneren der Scrollstube herrscht ebenfalls Chaos.
Der Butler versucht, Ordnung herzustellen.
Leider fehlt ihm ein wesentliches Kleidungsstück.
Seine Hosenträger.
Er sucht sie seit 23 Minuten.
Schublade.
Schrank.
Küche.
Flur.
Unter dem Tisch.
Nichts.
Er steht schließlich ohne Hosenträger mitten im Raum und sagt:
„Das ist äußerst unpraktisch.“
Mertens kommt herein.
„Was suchen Sie?“
„Meine Hosenträger.“
Mertens schaut auf seinen Spektrumanalysator.
„Soll ich messen?“
Der Butler sieht ihn an.
Lange.
„Nein.“
Mertens:
„Sehr wohl.“
Der Butler:
„Das ist mein Satz.“
DIE YOUTUBER NÄHERN SICH
Unterdessen haben drei amerikanische YouTuber die Schweizer Berge erreicht.
Sie tragen:
Kameras.
Mikrofone.
Rucksäcke.
Eine Drohne.
Und einen großen Löffel.
Der Anführer zeigt auf sein GPS.
„The sauce is here.“
Sein Kameramann:
„Are you sure?“
„The IP says Switzerland.“
„But that's a VPN.“
Pause.
„What does that mean?“
„I don't know.“
Sie gehen weiter.
Hinter ihnen knirscht der Schnee.
Vor ihnen:
Berge.
Eine Hütte.
Und ein kleines Schild.
Darauf steht:
RIEFUNKE
Die YouTuber bleiben stehen.
Einer flüstert:
„We found it.“
DIE HÜTTE
In der Hütte steht ein Teller.
Darauf:
Bratensoße.
Daneben:
ein kleines Radio.
Das Radio schweigt.
Die YouTuber betreten vorsichtig den Raum.
Einer hebt den Löffel.
Dann:
KRRRRT.
Alle erstarren.
Der Löffel fällt zu Boden.
Eine Stimme aus dem Radio:
„Finger weg.“
Der YouTuber flüstert:
„Who said that?“
Keine Antwort.
Dann:
KRRRRT.
Auf dem Teller beginnt die Soße ganz leicht zu zittern.
Mertens, der sich zu diesem Zeitpunkt noch mehrere hundert Kilometer entfernt befindet, schaut plötzlich auf seinen Spektrumanalysator.
Die Anzeige schlägt aus.
4 Milliwatt.
Mertens:
„Sie ist aufgewacht.“
Der Butler:
„Wer?“
Mertens:
„Die Soße.“
Der Butler schließt die Augen.
„Natürlich.“
ZURÜCK IN DER SCROLLSTUBE
Der Türsteher schläft.
Der Butler sucht Hosenträger.
Mertens misst.
Die Tiketaketoker warten.
Und niemand bewacht die englische Scrollstube.
Plötzlich geht die Tür auf.
Ein hungriger YouTuber steht darin.
Er schaut sich um.
„Where is the sauce?“
Der Butler:
„Nicht hier.“
„Where is it?“
„Schweizer Berge.“
„Why?“
Der Butler richtet sein Hemd.
Ohne Hosenträger.
„Datenschutz.“
Der YouTuber schaut ihn verwirrt an.
„What?“
Der Butler:
„Die Sauce hat VPN.“
DIE GROSSE FRAGE
Am Abend erscheint auf TikTok ein neues Video.
Schwarzer Bildschirm.
Weiße Schrift:
DIE RIEFUNKE-BRATENSOSSE IST NICHT GEFUNDEN.
Darunter:
SIE HAT UNS GEFUNDEN.
Dann ein Geräusch.
KRRRRT.
Eine zweite Zeile erscheint:
DIE SCHWEIZ WAR NUR EIN ZWISCHENSERVER.
Stille.
Mertens lässt den Spektrumanalysator fallen.
Der Butler findet endlich seine Hosenträger.
Der Türsteher schläft weiter.
Und irgendwo in den Schweizer Bergen steht ein Teller Bratensoße.
Ganz allein.
Sehr ruhig.
Sehr verschlüsselt.
Und offenbar mit eigener IP-Adresse.
Dann erscheint eine letzte Meldung:
Standort unbekannt.
VPN aktiv.
Hunger erkannt.
Zugriff verweigert.
RIEFUNKE.
Ein Sender für Unterbrechungen.
Und neuerdings:
für Saucenschutz.
|