MEIN KAFFEE MIT RIEFUNKE
Eine kleine Szene für zwei Menschen
Wir wollten eigentlich nur Kaffee trinken.
Zwei Tassen.
Mehr nicht.
Dann sagte meine Freundin:
„Weißt du, woran mich das erinnert?“
„Woran?“
„An Mein Essen mit André.“
Ich sah sie an.
„Stimmt.“
Also blieben wir sitzen.
Kein Restaurant.
Keine französische Speisekarte.
Kein André.
Nur wir beide.
Und irgendwo zwischen der ersten und der zweiten Tasse war plötzlich RIEFUNKE da.
Nicht auf dem Tisch.
Nicht auf dem Smartphone.
Nicht einmal im Raum.
Vielleicht war er einfach zwischen zwei Sätzen.
Meine Freundin sagte:
„Im Film sitzen zwei Menschen zusammen und reden.“
„Ja.“
„Und während sie reden, verändert sich etwas.“
„In der Welt?“
Sie schüttelte den Kopf.
„In ihnen.“
Wir schwiegen.
Der Kaffee dampfte.
Irgendwo lag eine blaue Wäscheklammer.
Natürlich.
Man weiß ja nie.
Dann sagte ich:
„Vielleicht ist das bei RIEFUNKE genauso.“
„Wie meinst du das?“
„Man liest einen Text. Eigentlich passiert nichts. Ein paar Wörter. Ein Butler. Eine Antenne. Vielleicht ein Kornkreis.“
Sie lächelte.
„Und dann?“
„Dann sitzt man da und denkt plötzlich über sein eigenes Leben nach.“
Sie nahm einen Schluck Kaffee.
„Also ist RIEFUNKE unser André?“
„Vielleicht.“
„Aber André redet.“
„RIEFUNKE auch.“
„Wo?“
Ich zeigte auf die Tassen.
„Hier.“
Sie lachte.
Und genau in diesem Moment fiel irgendwo ein Wort herunter.
Wir sahen uns an.
Es war ein seltsames Wort.
Vielleicht hieß es:
Traumglühen.
Vielleicht:
Herzleuchten.
Vielleicht hatte es überhaupt keinen Namen.
Aber wir wussten beide, dass es da war.
Da kam der Butler.
Ohne Hosenträger.
„Sehr wohl.“
Er stellte zwei weitere Tassen auf den Tisch.
Wir fragten:
„Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Mein Essen mit André und Mein Kaffee mit RIEFUNKE?“
Der Butler dachte lange nach.
Dann sagte er:
„André sitzt beim Essen.“
„Und RIEFUNKE?“
Der Butler sah uns an.
„RIEFUNKE sitzt im Dazwischen.“
Wir verstanden kein Wort.
Deshalb verstanden wir es wahrscheinlich.
Wir blieben noch eine Weile sitzen.
Wir redeten über Liebe.
Über Zufall.
Über Menschen.
Über Dinge, die man nicht erklären kann.
Über Dinge, die man vielleicht besser nicht erklären sollte.
Und irgendwann merkten wir:
Wir hatten längst aufgehört, über RIEFUNKE zu reden.
Wir redeten über uns.
Vielleicht ist das sein Trick.
Vielleicht war das auch Andrés Trick.
Vielleicht braucht man gar kein großes Abenteuer.
Keinen Film.
Kein Festival.
Keinen Kornkreis.
Manchmal braucht man nur:
zwei Menschen,
zwei Tassen Kaffee
und genügend Zeit,
damit ein Gespräch irgendwohin gehen darf.
Vielleicht ist das die eigentliche Reise.
Nicht hinaus aus der Welt.
Sondern ein kleines Stück tiefer hinein.
Meine Freundin sah mich an.
„Und was machen wir morgen?“
Ich sagte:
„Kaffee.“
„Mit RIEFUNKE?“
Ich überlegte.
„Wahrscheinlich.“
Der Butler nahm die leeren Tassen.
An der Tür blieb er stehen.
Er drehte sich um.
„Morgen wieder?“
Wir sahen uns an.
Wir lächelten.
„Morgen wieder.“
„Sehr wohl.“
Und irgendwo,
zwischen dem letzten Satz
und dem nächsten Morgen,
saß RIEFUNKE
und wartete.
Nicht auf uns.
Nicht auf Kaffee.
Nur auf das nächste Wort.
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